Riechstörungen könnten zum Dauerproblem werden

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In einer Querschnittserhebung bei 219 Patientinnen und Patienten mit Long-COVID-Beschwerden aus einem universitären Rehabilitationszentrum in Brasilien hatten 63,5% eine chronische olfaktorische Dysfunktion [1]. Dies beeinflusste signifikant ihre Aktivitäten des täglichen Lebens, unter anderem die Nahrungsaufnahme. Dass der Beginn von Long-COVID-Symptomen bei Betroffenen mit Riechstörungen oft länger als ein Jahr zurücklag, lässt befürchten, dass der Geruchssinn bei der Erkrankung auch dauerhaft verloren gehen kann.

In einer Studie mit 219 Patienten und Patientinnen mit Long-COVID und selbstberichteten neurologischen Symptomen, die zwischen 09.09.2020 und dem 20.10.2021 in einem Rehabilitationszentrum in der Amazonasregion behandelt wurden, haben brasilianische Forscherinnen und Forscher soziodemografische und klinische Merkmale von Patientinnen und Patienten mit Riechstörungen im Langzeitverlauf herausgearbeitet [1].

Die Gesamtkohorte bestand zu 74,9% aus Frauen. 88,6% waren zwischen 18 und 59 Jahre alt, das mittlere Alter lag bei 43,2 Jahren. Etwas mehr als die Hälfte hatte eine Schulausbildung über mindestens neun Jahre. Bestätigt anhand des Connecticut Chemosensory Clinical Research Center (CCCRC)-Scores, bei dem zunächst mit Butanol in unterschiedlichen Konzentrationen die Riechschwelle ermittelt wurde, lag nur bei 36,5% der von Long-COVID Betroffenen eine Normosmie vor; 139 konnten schlecht oder gar nicht riechen. Damit waren Riechstörungen das häufigste neurologische Long-COVID-Symptom in der Kohorte. Die höchste Prävalenz hatten Frauen und in der Akutphase ambulant Behandelte. Mit 242 gegenüber 221 Tagen hatten Menschen mit olfaktorischer Dysfunktion bereits signifikant länger Long-COVID-Symptome als Menschen ohne Störungen des Geruchssinns. 

Die 31 Betroffenen mit Anosmie waren erheblich in ihrem Alltag eingeschränkt. Jeweils 67,7% verkannten Gefahren – etwa bei Rauchentwicklung oder durch verdorbene Speisen – hatten Schwierigkeiten mit der persönlichen Hygiene oder mit der Nahrungsaufnahme. Signifikant mit olfaktorischer Dysfunktion assoziiert war unter den anderen klinischen Long-COVID-Symptomen lediglich die Ageusie. Bei Kopfschmerzen oder Schlafstörungen lagen Riechstörungen in 59% und 52% der Fälle vor.

Als mögliche Ursachen für prolongierte Post-COVID-19-Riechstörungen diskutieren die Autorinnen und Autoren Schäden an Basalzellen, eine anhaltende Entzündung und die chronische Infektion des Riechepithels. Eine Erklärung für die hohe Rate an Riechstörungen in der Studie könnte ein hoher Anteil an Wildvirusinfektionen sein, da die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Frühjahr 2020 erkrankten. Insgesamt scheinen die Prävalenzraten auch zwischen unterschiedlichen Populationen zu variieren, weshalb die Studienergebnisse nicht generalisierbar sind. Qualitative Störungen wie Parosmien, Phantosmien und Kakosmie wurden in der Studie nicht untersucht. Dies soll in einem Follow-up geschehen.

[1] Mendes Paranhos AC, Nazareth Dias ÁR, Machado da Silva LC et al. Sociodemographic Characteristics and Comorbidities of Patients With Long COVID and Persistent Olfactory Dysfunction. JAMA Netw Open. 2022 Sep 1;5(9):e2230637

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2795995

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