Rheumatologie: Glukokortikoide und Rituximab führen zu einem schweren COVID-19-Verlauf

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Bei Patienten mit systemischen Vaskulitiden ist ein schwerer Verlauf von COVID-19 mit der Einnahme von Glukokortikoiden assoziiert, offenbar aber nicht mit der Aktivität der Grunderkrankung. Das geht aus einer multizentrischen, britisch-irischen Registerstudie [1] hervor. In einer französischen Kohortenstudie mit rheumatologischen Patienten [2] wurde ein ungünstiger Verlauf von COVID-19 bei Einnahme von Rituximab beobachtet.

Mit 65 Patienten werteten die Autoren nach eigenen Angaben die bisher größte Kohorte mit systemischer Vaskulitis und COVID-19 aus [1]. Die Daten stammen aus den nationalen Vaskulitisregistern und dem irischen Register für seltene Nierenerkrankungen. 38 % hatten einen schweren COVID-19-Verlauf, definiert durch die Notwendigkeit einer intensivierten Sauerstofftherapie, invasiven Beatmung oder Tod. Die Mortalität betrug 28 %.

Insgesamt mussten mit 91 % nahezu alle Patienten stationär behandelt werden. Eine laufende Glukokortikoidtherapie erhöhte das Risiko für einen schweren Verlauf auf das 3,7-Fache. Die Patienten waren im Median 70 Jahre alt, knapp die Hälfte waren Frauen. Die Mehrheit – 85 % – hatten eine Vaskulitis mit Nachweis anti-Neutrophilen-zytoplasmatischer Antikörper (ANCA). Davon hatten 44 % eine Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), 45 % eine mikroskopische Polyangiitis und 11 % eine eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA). Nur bei zwei Patienten (3,1 %) bestand eine Großgefäßvaskulitis. Bei etwa der Hälfte der Patienten war die Vaskulitis zum Zeitpunkt der COVID-19-Erkrankung aktiv, wobei sich aus der Studie keine Hinweise darauf ergaben, dass COVID-19 kurzfristig einen Vaskulitisschub triggert. Die häufigsten Symptome der Patienten waren Luftnot, Fieber und Husten. Drei Patienten (4,8 %) hatten Hämoptysen.

Aufgrund der Ähnlichkeit der Symptome – Hämoptysen können sowohl bei COVID-19 als auch bei pulmonaler Beteiligung vor allem im Rahmen ANCA-assoziierter Vaskulitiden vorkommen – kann es schwierig sein, die Krankheiten klinisch zu differenzieren. Daher ist auch an COVID-19 zu denken, wenn sich ein Vaskulitispatient mit Hämoptysen vorstellt.

Zwischen April und November 2020 kam es in Frankreich bei 1.090 Patienten mit rheumatologischer Erkrankung (mittleres Alter 55,2 Jahre; 734 (67%) weiblich) in 137 Fällen (13%) zu einer schweren COVID-19-Erkrankung, 89 Kranke (8%) verstarben [2]. Im Gesamtkollektiv erhielten 63 Patienten Rituximab. Nach Korrektur bezüglich zusätzlicher Parameter führte die Rituximab-Therapie zu einem schwereren COVID-19-Verlauf (p=0,0006) und zu einem längeren Krankenhausaufenthalt (p=0,0024). 13 (21%) der 63 mit Rituximab behandelten Patienten verstarben im Vergleich zu 76 (7%) der 1.027 Patienten ohne Rituximab, aber dieser Unterschied war nicht signifikant (p=0,53).

[1] Rutherford MA, Scott J, Karabayas M et al.: Risk factors for severe outcomes in patients with systemic vasculitis & COVID‐19: a bi‐national registry‐based cohort study. Arthritis Rheumatol. 2021.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33750043/

[2] Avouac J, Drumez E, Hachulla E, et al. COVID-19 outcomes in patients with inflammatory rheumatic and musculoskeletal diseases treated with rituximab: a cohort study. www.thelancet.com/rheumatology Published online March 25, 2021

https://www.thelancet.com/journals/lanrhe/article/PIIS2665-9913(21)00059-X/fulltext