Reviews zu neurologischen Impfkomplikationen

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Laut einem aktuellen Review zu neurologischen Komplikationen nach Erhalt der sieben am häufigsten verimpften Vakzinen [1] stehen am zentralen Nervensystem (ZNS) Sinusvenenthrombosen (CVST) und am peripheren Nervensystem (PNS) das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) im Vordergrund. Ein Team aus dem Iran und Dänemark fokussiert in einer weiteren Publikation auf das Vorkommen von Schlaganfällen [2].

Um die Versorgung Betroffener zu optimieren, versuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer wieder, Erkenntnisse aus der stetig wachsenden Zahl von COVID-19-Publikationen zu strukturieren. In einer aktuellen Publikation [1] präsentiert ein internationales Forschungsteam Ergebnisse einer Literaturrecherche, in die alle englischsprachigen Fallberichte zu mit COVID-19-Impfungen assoziierten, neurologischen Nebenwirkungen zwischen Dezember 2020 und Anfang Oktober 2021 eingingen. Quantitativ ausgewertet wurden letztlich 31 Publikationen zu 51 Fällen. 55% der Betroffenen hatten die AstraZeneca-Vakzine erhalten, 18% die von Pfizer/BioNTech, 16% die von Moderna, jeweils 4% den Impfstoff von Janssen beziehungsweise Sinovac-CoronaVac. Je eine Person (2%) hatte Sputnik V oder COVAXIN bekommen.  

Mit 27% waren CVST die häufigste ZNS-Komplikation. Betroffen waren zu 64% Frauen und zu 71% unter 50-jährige. 93% hatten zuvor die erste Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs erhalten. Die restlichen 7% der CVST ereigneten sich nach der zweiten Gabe der Moderna-Vakzine. Bei rund 9% der ZNS-Komplikationen handelte es sich um demyelinisierende Erkrankungen: transverse Myelitis, akute demyelinisierende Enzephalomyelitis, Multiple Sklerose und Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen. 3% waren Enzephalitiden und Enzephalomyelitiden, 4% andere Erkrankungen. Ein GBS als häufigste PNS-Manifestation war mit 27 % ebenso häufig wie CVST, wurde aber in 71% der Fälle bei Männern und in 79% jenseits des 50. Lebensjahres beobachtet. Danach folgten unter den PNS-Manifestationen Fazialisparesen mit rund 5% und andere Erkrankungen mit 2%.

Eine andere Arbeitsgruppe befasste sich ausschließlich mit Schlaganfällen nach COVID-19-Impfung [2]. Sie bestätigt: Am häufigsten betroffen sind Frauen unter 60 Jahren nach Impfung mit ChAdOx1 nCoV-19 (AstraZeneca). Beschrieben wurden vor allem CVST mit sekundärer Ischämie oder Blutung, vor allem im Kontext Vakzine-induzierter thrombotischer Thrombozytopenien (VITT). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler raten zur Wachsamkeit, wenn jemand innerhalb von vier Wochen nach COVID-19-Impfung neurologische Symptome und insbesondere anhaltende Kopfschmerzen entwickelt. Letztere waren das Hauptsymptom. In diesem Fall sollten die Betroffenen sofort auf eine mögliche VITT untersucht und unter Berücksichtigung der individuellen Situation entsprechend der neuesten Leitlinien behandelt werden. 

 [1] Sriwastava S, Sharma K, Khalid SH et al. COVID-19 Vaccination and Neurological Manifestations: A Review of Case Reports and Case Series. Brain Sci. 2022 Mar 18;12(3):407.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8946610/

[2] Kakovan M, Ghorbani Shirkouhi S, Zarei M et al. Stroke Associated with COVID-19 Vaccines. J Stroke CerebrovascDis. 2022 Mar 4;31(6):106440. doi: 10.1016/j.jstrokecerebrovasdis.2022.106440.

https://www.strokejournal.org/article/S1052-3057(22)00131-8/fulltext

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