Review zu den neurologischen Manifestationen bei COVID-19

In einem narrativen Review in NRP fassen Dr. Yana Leven und Professor Julian Bösel vom Klinikum Kassel neurologische Symptome und Syndrome, die bislang bei SARS-CoV-2-Infektionen in größeren Fallserien beschrieben wurden, zusammen. Folgende vier Kategorien werden ausführlich dargestellt: zerebrovaskuläre Erkrankungen, entzündliche Syndrome von Muskulatur, peripherem und zentralem Nervensystem, metabolisch oder toxisch bedingte Dysfunktionen von Muskulatur, PNS und ZNS sowie sonstige Manifestationen.

Der Neurotropismus von SARS-CoV-2 ist darauf zurückzuführen, dass auch Nerven- und Gliazellen ACE-2-Rezeptoren exprimieren. Das Virus kann direkt über das olfaktorische System in das ZNS eindringen, transsynaptisch retrograd über das periphere Nervensystem, hämatogen über das Endothel oder in infizierten Leukozyten, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Neurologische Manifestationen einer SARS-CoV-2-Infektion sind grundsätzlich mit einer erhöhten Morbidität und Morbidität sowie mit einem schlechteren Outcome assoziiert und verlängern den Krankenhausaufenthalt.

Die vorhandenen Studiendaten zu neurologischen COVID-19-Manifestationen basieren auf unterschiedlichen Patientenpopulationen, häufig auf Fallberichten, und vermischen nicht selten neurologische Symptome und Syndrome mit diagnostischen Befunden. Die Unterschiede in den Patientenkohorten und das Fehlen eines systematischen Ausschlusses alternativer Ursachen für die neurologischen Manifestationen macht die Bewertung der Studien schwierig.  

Bei dem häufigsten neurologischen Symptom, das bei COVID-19 beobachtet wird, der Anosmie und Ageusie, können das Riechepithel, das periphere oder das zentrale Nervensystem betroffen sein. Bei den zerebrovaskulären Erkrankungen können Thrombosen durch eine Endothelitis oder durch eine im Rahmen der Hyperinflammation hervorgerufene Koagulopathie entstehen. Eine Enzephalopathie kann inflammatorisch, hypoxisch, metabolisch oder toxisch ausgelöst sein. Um die Kausalität bei entzündlichen ZNS-Prozessen zu klären, sei es bei neurologischen Symptomen stets erforderlich, systematisch den Liquor mittels PCR auf das Virus zu untersuchen und SARS-CoV-2-Antikörper zu bestimmen. Zukünftige prospektive Studien sollten auf die Pathophysiologie der neurologischen Manifestationen bei COVID-19 fokussieren. Case-Control-Studien seien erforderlich, um die Frequenz und Relevanz der Manifestationen zu belegen. 

[1] Leven Y, Bösel J. Neurological manifestations of COVID-19 - an approach to categories of pathology. Neurol Res Pract. 2021 Jul 26;3(1):39.

https://neurolrespract.biomedcentral.com/articles/10.1186/s42466-021-00138-9

Nach oben springen