Relevanz neurologischer Symptome für den COVID-19-Verlauf

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Eine Auswertung von Daten deseuropäischen COVID-19-Registers LEOSS („Lean European Open Survey on SARS-Infected Patients“) zeigte, dass exzessive Müdigkeit und vorbestehende neurodegenerative Erkrankungen bei Hospitalisierung mit einem schlechteren kurzfristigen Outcome assoziiert sind; bei zerebrovaskulären und neuroimmunologischen Vorerkrankungen war dies nicht der Fall. Intrazerebrale Blutungen traten bei kritisch kranken COVID-19-Patientinnen und -Patienten bei therapeutischen Interventionen wie z. B. ECMO auf.

Die maßgeblich von DGN-Mitgliedern durchgeführte Studie [1] analysierte die klinische Relevanz neurologischer Symptome, Manifestationen und Komplikationen während einer COVID-19-Infektion. Dafür wurden Real-World-Daten aus 127 Zentren des europäischen LEOSS-Registers von Januar 2020 bis Februar 2021 ausgewertet. Insbesondere wurde der Einfluss neurologischer Manifestationen sowie vorbestehender neurologischer Erkrankungen auf das COVID-19-Outcome ermittelt.

97,7% der Diagnosen waren PCR-gesichert. Von insgesamt 6.537 COVID-19-Patientinnen und Patienten waren 92,1% hospitalisiert und 14,7% sind verstorben. Die häufigsten Symptome bzw. Komplikationen waren eine exzessive Müdigkeit (28%), Kopfschmerzen (18,5 %), Übelkeit/Erbrechen (16,6%), Muskelschwäche (17%), gestörter Geruchs- und Geschmackssinn (9% und 12,8%) sowie ein Delir (6,7%). Bei Patienten mit kompliziertem oder kritischem Erkrankungsverlauf (53%) waren ischämische Schlaganfälle (1%) sowie intrazerebrale Blutungen (2,2%) die häufigsten neurologischen Komplikationen. Hirnblutungen traten oft in der kritischen Phase (5%) auf; sie waren mit höher dosierter Antikoagulation und extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO) assoziiert. Das Autorenteam wertet die Assoziation dieser therapeutischen Interventionen mit dem Outcome als Ausdruck indirekter Komplikationen der lebensbedrohlichen, systemischen Virusinfektion. Exzessive Müdigkeit und vorbestehende neurodegenerative Erkrankungen waren mit einem erhöhten Risiko (OR 1,42 und OR 1,32) für einen ungünstigen Verlauf assoziiert. Vorbestehende zerebrovaskuläre und neuroimmunologische Erkrankungen wiesen hingegen keine Korrelation mit dem Kurzzeit-Outcome auf.

[1] Kleineberg NN, Knauss S, Gülke E et al. Neurological symptoms and complications in predominantly hospitalized COVID-19 patients: Results of the European multinational Lean European Open Survey on SARS-Infected Patients (LEOSS). Eur J Neurol 2021 Aug 19;10.1111/ene.15072.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ene.15072

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