Prophylaktische Therapien zur Senkung der COVID-19-Neuerkrankungsrate und Vermeidung schwerer Verläufe

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Bamlanivimab kann einer aktuellen Studie zufolge Infektionen mit SARS-CoV-2 verhindern und nach Infektion das Risiko für mittelschwere und schwere Verläufe senken. Letzteres könne, so das Ergebnis einer weiteren Studie, bei Risikopatientinnen/-patienten auch Colchicin leisten. Das Gichtmedikament wäre eine deutlich kostengünstigere Option zur Prophylaxe schwerer COVID-19-Verläufe.

Eine randomisierte, doppelblinde Studie [1] untersuchte den prophylaktischen Effekt von Bamlanivimab vor COVID-19-Infektionen an Bewohnern und Personal der Fachpflege in Pflegeheimen. Insgesamt nahmen 966 Personen an der Studie teil (660 Pflegende und 300 Betreute). Sie wurden randomisiert und erhielten entweder eine einmalige intravenöse Bamlanivimab-Infusion (4.200 mg) oder ein Placebo. Primärer Studienendpunkt war die COVID-19-Inzidenz 57 Tage nach Gabe des Antikörpers oder Placebos. Einschlusskriterium war ein negativer PCR-Test und eine negative SARS-Cov-2-Serologie. Im Ergebnis zeigte sich, dass Bamlanivimab die SARS-CoV-2-Inzidenz signifikant senkte. Besonders deutlich war der Unterschied in der Risikogruppe der betreuten Menschen: Während sich in der Placebogruppe 15,2% mit dem Virus infizierten, waren es in der Verumgruppe 8,5% (p=0,001). Auch in den sekundären Endpunkten, die die Krankheitsverläufe erfassten, zeigte sich ein deutlicher Therapienutzen. In der Gesamtpopulation erlitten 8,3% der Behandlungsgruppe mittlere und schwere COVID-19-Verläufe, in der Placebogruppe 14,1%. Fünf COVID-19-assoziierte Todesfälle traten auf, alle fünf in der Placebogruppe. Die Nebenwirkungsrate betrug in der Bamlanivimab-Gruppe 20,1%, in der Placebogruppe 18,9%.

Eine weitere Phase-3-Studie [2] zeigte, dass auch das Gichtmedikament Colchicin womöglich vor schweren COVID-19-Verläufen schützen könnte. Fast 4.500 SARS-CoV-2-positive Menschen im Alter über 40 Jahren und mindestens einem Risikofaktor wurden randomisiert. Die Behandlungsgruppe erhielt drei Tage lang 0,5 mg Colchicin zweimal täglich, dann 27 Tage lang einmal täglich. Im Ergebnis zeigte sich, dass 6,0 % der Placebogruppe schwer erkrankte, d.h. stationär aufgenommen werden musste oder verstarb, in der Behandlungsgruppe waren dies 4,6 % (p=0,042). Schwere Nebenwirkungen traten unter Colchicin nicht signifikant häufiger auf (p=0,051). Die Autoren schlussfolgern, dass das Medikament mit seiner entzündungshemmenden Wirkung eine kostengünstige Option zur Prophylaxe schwerer Verläufe darstellen könnte.

[1] Cohen MS, Nirula A, Mulligan MJ et al. Effect of Bamlanivimab vs Placebo on Incidence of COVID-19 Among Residents and Staff of Skilled Nursing and Assisted Living Facilities. JAMA. Published online June 3, 2021.

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2780870

[2] Tardif JC, Bouabdallaoui N, L'Allier PL et al. Colchicine for community-treated patients with COVID-19 (COLCORONA): a phase 3, randomised, double-blinded, adaptive, placebo-controlled, multicentre trial. The Lancet Respiratory Medicine. Published:May 27, 2021

https://www.thelancet.com/journals/lanres/article/PIIS2213-2600(21)00222-8/fulltext

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