Prognostische Bedeutung bestimmter Komorbiditätsmuster bei kritischer COVID-19-Erkrankung

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Eine Studie identifizierte bei über 5.000 kritisch COVID-19-Kranken drei komorbiditätsbasierte COVID-19-Phänotypen mit unterschiedlichen Krankenprofilen, die mit stationären Komplikationsmustern, der Mortalität, dem Therapieansprechen und späteren Folgen assoziiert waren. Dabei spielte eine chronische Nierenfunktionsstörung eine wesentliche Rolle. Diese Subgruppe hatte signifikant mehr Komplikationen und stationäre Wiederaufnahmen.

Die klinische Heterogenität von COVID-19 bzw. die Existenz verschiedener Phänotypen scheint prognostische Bedeutung zu haben. Eine multizentrische, prospektiv-retrospektive Beobachtungsstudie [1] versuchte daher, bei intensivpflichtigen COVID-19-Erkrankten Komorbiditätsmuster zu erfassen und mögliche Assoziationen mit klinischen Behandlung, Outcome und Therapieansprechen zu analysieren. 5.866 Betroffene (PCR-bestätigt) aus 55 spanischen Kliniken wurden eingeschlossen. Die Krankenprofile beinhalteten Komorbiditäten bei der Klinikaufnahme, klinische und paraklinische Parameter, Therapien und Komplikationen. Ergänzt wurden nach drei und sechs Monaten persistierende Symptome, weitere Komplikationen bzw. längerfristige Folgen. 

Im Ergebnis wurden drei COVID-19-Phänotypen identifiziert: Die erste Subklasse enthielt jüngere Betroffene mit niedriger Morbidität/wenigen Komorbiditäten (n=3.385 bzw. 58%). Neben einer zweiten Subklasse mit hoher Komorbiditätslast (n=2.074, 35%) wurde eine dritte Gruppe identifiziert mit renaler Morbidität (n=407, 7%) bzw. mit chronischen Nierenerkrankungen (CKD), die gleichzeitig viele weitere Komorbiditäten aufwies. Gegenüber der Gruppe mit niedriger Morbidität hatten COVID-19-Kranke in der zweiten und dritten Gruppe mehr Komplikationen und eine höhere Sterblichkeit (adjustierte HR 1,57 und 1,16). Mit einer Kortikosteroidtherapie (nicht aber mit Tocilizumab) war ein niedrigeres Mortalitätsrisiko assoziiert (HR 0,76) – insbesondere in den Gruppen 2 und 3. Die beiden Gruppen hatten auch die schlechteste Lungenfunktion während der Nachbeobachtungszeit. Individuen mit chronischer Nierenerkrankung hatten die schlechtesten Oxygenierungsprofile und die meisten infektiösen Komplikationen (6%). Fast jeder dritte aus dieser Gruppe (29%) suchte im Verlauf von sechs Monaten erneut eine Notfallambulanz auf; 14% wurden rehospitalisiert. Diese Erkenntnisse könnten bei täglichen Entscheidungsprozessen einschließlich dem Management nach der Entlassung hilfreich sein, so die Autorinnen und Autoren.

[1] Benítez ID, de Batlle J, Torres G et al. Prognostic implications of comorbidity patterns in critically ill COVID-19 patients: A multicenter, observational study. Lancet Reg Health Eur 2022 May 29; 18: 100422.
doi: 10.1016/j.lanepe.2022.100422. eCollection 2022 Jul.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666776222001168?via%3Dihub

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