Prognose des COVID-19-assoziierten GBS – eine Analyse publizierter Fallberichte

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Ein systematisches Review [1] berichtet über 63 Arbeiten mit Fällen von COVID-19-assoziiertem Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Im Verlauf musste fast die Hälfte der Betroffenen beatmet werden; 3,5% verstarben und mehr als ein Viertel der Erkrankten litt unter persistierenden neurologischen Defiziten. Zur Behandlung waren in erster Linie (87%) intravenöse Immunglobuline eingesetzt worden.

Insgesamt wurden 86 Patientinnen und Patienten tabellarisch erfasst und analysiert. Die meisten Fallberichte stammten aus Italien (30%) und den USA (19%). Praktisch immer (99%) trat das GBS erst nach den COVID-19-Symptomen auf – nach einem Intervall von im Median 14 (7-20) Tagen. Die COVID-19-Infektion hatte sich zumeist als Atemwegsinfekt, in 17% der Fälle mit begleitender Anosmie/Ageusie. Die häufigsten Komorbiditäten waren Hypertonie (20%) und ein Typ-2-Diabetes (9%).

Beatmungspflichtig wurden 47% der Erkrankten. Diese Rate war signifikant höher als bei COVID-19 sonst berichtet wird (16%) [2]. Es wird jedoch nicht differenziert, ob das respiratorische Versagen neuromuskulär oder pulmonal bedingt war. Die Sterblichkeit lag mit 3,5% höher als die von der WHO berichtete generelle COVID-19-Sterblichkeit von 2,2% [3]. Therapeutisch kamen am häufigsten (87%) intravenöse Immunglobuline (IVIG) zum Einsatz (0,4 g/kg/Tag für fünf Tage). Bei 8% der Betroffenen wurde ein Plasmaaustausch durchgeführt. Neben den allgemeinen Therapiemaßnahmen waren verschiedene Medikamente eingesetzt worden. Hierzu gehörten Antibiotika (34%), Hydroxychloroquin (45%), Lopinavir/Ritonavir (25%), Kortikosteroide (16%), Darunavir (7%), Umifenovir (3%), Oseltamivir (3%) und Tocilizumab (1%). Eine gesicherte Assoziation zum Outcome zeigte keine der Behandlungsstrategien. In 26% der Fälle kam es zu persistierenden neurologischen Defiziten (gegenüber 18 % bei COVID-19 ohne assoziiertes GBS [4]). 

Insgesamt scheint die Prognose des COVID-19-Infektions-assoziierten GBS deutlich ungünstiger zu sein als bei Manifestationen im zeitlichen Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Impfung, wir berichteten.

[1] Goudarzi S, Esmaeeli S, Valencia JD et al. Treatment Options for COVID-19-Related Guillain-Barré Syndrome: A Systematic Review of Literature. Neurologist 2021 Sep 7; 26 (5): 196-224 doi: 10.1097/NRL.0000000000000342.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8423032/

[2] Tzotzos SJ, Fischer B, Fischer H et al. Incidence of ARDS and outcomes in hospitalized patients with COVID-19: a global literature survey. Crit Care 2020; 24:516

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7441837

[3] Dong E, Du H, Gardner L. An interactive web-based dashboard to track COVID-19 in real time. Lancet Infect Dis 2020; 20: 533–534

https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(20)30120-1/fulltext

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