Postvakzinal auftretende zerebrale venöse Thrombosen (CVT), die auf eine VITT zurückzuführen sind, sind gefährlicher

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In Zusammenhang mit COVID-19-Vektorimpfstoffen wurde über das Auftreten thrombotischer Ereignisse (vor allem Sinus- und Hirnvenenthrombosen) in Kombination mit einer Thrombozytopenie berichtet. Eine Arbeitsgruppe aus Greifswald konnte einen immunologischen Pathomechanismus, ähnlich der heparininduzierten Thrombozytopenie (HIT), nachweisen, bei der eine PF4-Antikörperbildung ohne vorherige Heparinexposition stattfindet. Entsprechend wurde das Krankheitsbild als Vakzine-induzierte immunogene thrombotische Thrombozytopenie (VITT) bezeichnet – wir berichteten. In einer aktuell in „The Lancet“ publizierten Arbeit [1] untersuchten britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler postvakzinal aufgetretene zerebrale venöse Thrombosen (CVT). Sie verglichen diejenigen, welche auf eine VITT zurückzuführen waren, mit solchen, die diesen Mechanismus nicht zeigten, und analysierten das Outcome der Betroffenen.

95 Patientinnen und Patienten aus 43 britischen Zentren wurden in dieser Studie [1] ausgewertet, die nach einer der Impfungen gegen SARS-CoV-2 eine zerebrale venöse Thrombose (CVT) erlitten hatten. 70 von ihnen wiesen eine VITT auf, 25 nicht.

Das mediane Patientenalter war in der VITT-Gruppe signifikant niedriger als in der Gruppe, in der die CVT ohne VITT aufgetreten waren (47 vs. 57 Jahre). Bei den Patientinnen und Patienten mit VITT waren mehr Hirnvenen betroffen, sie erlitten aber auch deutlich mehr extrakranielle Thrombosen (44% der Patientinnen/Patienten vs. 4%).

Die Endpunkte Tod oder Pflegebedürftigkeit traten in der VITT-Gruppe häufiger auf als in der Vergleichsgruppe (47% vs. 16%, p=0,0061). Das Auftreten dieser Endpunkte war innerhalb der VITT-Gruppe deutlich niedriger bei den Patientinnen und Patienten, die heparinfrei antikoaguliert worden waren (36% vs. 75%) oder die eine Therapie mit intravenösen Immunglobulinen erhalten hatten (40% vs. 73%).

Das Fazit der Autorinnen und Autoren lautet, dass eine VITT-assoziierte CVT deutlich gefährlicher ist, das Risiko für einen fatalen Verlauf aber durch die empfohlenen Therapien signifikant gesenkt werden kann.

[1] Perry RP, Tamborska A, Singh B et al. Cerebral venous thrombosis after vaccination against COVID-19 in the UK: a multicentre cohort study. Lancet 2021 Aug 6;S0140-6736(21)01608-1.

https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)01608-1/fulltext

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