Post-mortem-Studie zu zerebralen Hämorrhagien bei COVID-19

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Autopsiestudien können einen wertvollen Beitrag zum Verständnis von Erkrankungen leisten – vor allem, wenn diese, wie COVID-19, erst teilweise verstanden sind. In Brasilien haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt die Leichen von 44 Menschen, die an der Virusinfektion gestorben sind, untersucht. Im Fokus: hämorrhagische und thrombotische ZNS-Manifestationen [1]. Dabei fanden sie ein breites Spektrum von Hämorrhagien, die von Erythrozytenextravasaten und Petechien bis zu großen, konfluierenden Blutungen reichten.

86,36% der Verstorbenen, die für die Beobachtungsstudie [1] post mortem untersucht wurden, hatten zu Lebzeiten einen positiven PCR-Test auf SARS-CoV-2 und 13,3% einen positiven Schnelltest. Auch die vorhandenen klinischen und radiologischen Befunde waren mit COVID-19 vereinbar. Für die Auswertung der Befunde wurden Patientinnen und Patienten mit und ohne hämorrhagische Manifestationen im zentralen Nervensystem miteinander verglichen.

Zerebrale Hämorrhagien fanden sich bei etwas älteren Personen (durchschnittlich 67 im Vergleich zu 61 Jahren). 74% bzw. 71% waren Männer, 96% bzw. 76% wurden beatmet. Diese Unterschiede waren nicht statistisch signifikant. 20,4% hatten makroskopische Blutungen und 31,8% mikroskopische Blutungen oder thrombotische ZNS-Manifestationen. Häufig fanden die Pathologinnen und Pathologen petechiale Mikroblutungen ähnlich wie bei einer zerebralen Malaria. Hinweise auf eine hypertensive zerebrovaskuläre Erkrankung wurden ebenso wenig nachgewiesen wie andere, auf eine spezifische Ätiologie hindeutende Veränderungen. Patientinnen und Patienten mit Blutungen hatten tendenziell höher aPTT- und D-Dimer-Werte zu Lebzeiten gehabt. Nur ein Patient hatte eine schwere Thrombozytopenie aufgewiesen.

Die medikamentöse Behandlung mit Glukokortikoiden, Antikoagulanzien oder Antibiotika war in der Studie nicht statistisch signifikant mit den hämorrhagischen Manifestationen assoziiert. Während andere Begleiterkrankungen keine Rolle spielten, ergab sich ein tendenziell um 32% erhöhtes Blutungsrisiko bei an Diabetes mellitus Erkrankten.

Nicht zuletzt wegen unzureichender klinischer, radiologischer und angiographischer Daten, die wegen der Sedierung und des schlechten Zustands der Betroffenen vor ihrem Tod nicht erhoben werden konnten, hat die Studie Limitationen. Ein sicherer ätiologischer Zusammenhang zwischen den hämorrhagischen Veränderungen und der SARS-CoV-2-Infektion lässt sich nicht belegen. Die Schwere und Lebensbedrohlichkeit der Blutungsmanifestationen war nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren aber evident.

[1] Santana MF, Frank CHM, Almeida TVR: Hemorrhagic and thrombotic manifestations in the central nervous system in COVID-19: A large observational study in the Brazilian Amazon with a complete autopsy series. PLoS One. 2021 Sep 10;16(9):e0255950. doi: 10.1371/journal.pone.0255950.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34506501

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