Post-COVID-19-Betroffene profitieren von hyperbarer Sauerstofftherapie

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Einer aktuellen Untersuchung aus Israel zufolge lassen sich die bereits beim Fibromyalgie- und chronischen Müdigkeitssyndrom beobachteten neuroplastischen Effekte einer hyperbaren Sauerstofftherapie („hyperbaric oxygen therapy“/HBOT) offenbar auch beim Post-COVID-19-Syndrom nutzen. In einer Sham-kontrollierten randomisierten Studie bei insgesamt 73 Patientinnen und Patienten verbesserte die HBOT signifikant kognitive und psychiatrische Symptome, Fatigue, Schlafstörungen und Schmerzen.

Wenn drei Monate nach Beginn von COVID-19 über mindestens zwei Monate anhaltende körperliche, psychische oder neurokognitive Symptome bestehen, die sich anders nicht erklären lassen, liegt nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Post-COVID-19-Syndrom vor. Dies betrifft etwa 10-30% der an einer SARS-CoV-2-Infektion Erkrankten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel haben 73 solcher Patienten 1:1 randomisiert entweder einer HBOT oder einer Pseudobehandlung (Sham) unterzogen [1]. Es erfolgten insgesamt 40 Sitzungen, jeweils eine täglich an fünf Tagen pro Woche über zwei Monate. Dabei atmete die HBOT-Gruppe über Maske je 90 Minuten – mit fünfminütigen Luft-Unterbrechungen alle 20 Minuten – 100%-igen Sauerstoff mit doppeltem Atmosphärendruck (2at) ein. Primärer Endpunkt waren Veränderungen der Kognition ein bis drei Wochen nach der letzten Therapiesitzung gegenüber dem Ausgangwert. Zu den untersuchten Domänen gehörten etwa Gedächtnis, Exekutivfunktionen, Aufmerksamkeit, Informationsverarbeitung und motorische Fähigkeiten.

Gegenüber der Sham-Behandlung ergaben sich im zeitlichen Verlauf signifikante Verbesserungen bei globaler kognitiver Funktion, Aufmerksamkeit und Exekutivfunktion. Bei den sekundären Endpunkten ergaben sich signifikante Verbesserungen im Hinblick auf wahrgenommene Energie, Schlaf, psychiatrische Symptome wie Angst, Depression und Somatisierung und die Beeinträchtigung durch Schmerzen. Diese mit Hilfe von Fragebögen erfassten klinischen Veränderungen waren bei kernspintomografischen Untersuchungen mit entsprechenden Verbesserungen bei Hirndurchblutung und mikrostrukturellen Veränderungen im Gyrus supramarginalis, linkem supplementär-motorischen Cortex, rechter Inselregion, linkem Gyrus präzentralis, rechtem Gyrus frontalis medius und der superioren Corona radiata assoziiert. Nach Angaben der Autorinnen und Autoren handelt es sich um die erste prospektive, Sham-kontrollierte Studie, die signifikante Verbesserungen jenseits der im Verlauf zu erwartenden klinischen Erholung bei Post-COVID-19 aufzeigt. Was Geruchs- und Geschmackssinn angeht, ergaben sich im zeitlichen Verlauf keine signifikanten Gruppenunterschiede. Die Verträglichkeit war ähnlich, mit 35,1% unerwünschten Wirkungen in der HBOT- und 38,9% in der Kontrollgruppe. Niemand musste die Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen abbrechen.

[1] Zilberman-Itskovich S, Catalogna M, Sasson E. et al. Hyperbaric oxygen therapy improves neurocognitive functions and symptoms of post-COVID condition: randomized controlled trial. Sci Rep 12, 11252 (2022).

https://www.nature.com/articles/s41598-022-15565-0

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