Phase-3-Studie bestätigt Wirksamkeit von Molnupiravir bei nicht-hospitalisierten COVID-19-Erkrankten

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Das oral anwendbare antivirale Medikament Molnupiravir kann die Hospitalisierungs- und Mortalitätsrate von ungeimpften, nicht-hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe senken. Doch der Zeitpunkt der Gabe scheint für die Wirksamkeit entscheidend zu sein, die Therapie sollten binnen 72 Stunden nach Einsetzen der ersten COVID-19-Symptome erfolgen. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Deutschland können seit dem 3. Januar 2022 das Virostatikum verschreiben.

Eine in „The New England Journal of Medicine“ publizierte randomisierte, placebokontrollierte Phase-3-Studie [1] untersuchte die Wirksamkeit von Molnupiravir bei ungeimpften Menschen mit milder bis mittelschwerer COVID-19-Erkrankung, die mindestens einen Risikofaktor für schwere Verläufe aufwiesen (Alter über 60 Jahre, Vorliegen einer Krebserkrankung, einer Nierenerkrankung oder einer COPD, Adipositas oder schwere kardiale Erkrankungen). 1.433 Betroffene aus 20 Ländern wurden randomisiert, die eine laborbestätigte SARS-CoV-2-Infektion und mindestens ein COVID-19-Symptom aufwiesen, beides durfte nicht länger als fünf Tage vorherrschen. 716 der Randomisierten erhielten das Medikament, 717 ein Placebo. Die Grundcharakteristika waren in beiden Gruppen ähnlich, nur der Anteil von Frauen war in der Verumgruppe etwas höher (53,6% vs. 49%).

Die Therapie mit dem Virostatikum erwies sich als überlegen. Das Risiko für Hospitalisierungen oder Tod war unter Molnupiravir im Vergleich zur Placebogruppe um 3 Prozentpunkte geringer (6.8% [48 von 709] vs. 9.7% [68 von 699]). Es verstarben neun Menschen aus der Placebogruppe und einer aus der Verumgruppe. Nebenwirkungen traten bei 30,4% der Studienteilnehmenden in der Molnupiravir-Gruppe auf und bei 33% in der Placebogruppe.  

Das Fazit der Autorinnen und Autoren lautet, dass die frühzeitige Therapie mit Molnupiravir das Hospitalisierungs- und Mortalitätsrisiko bei ungeimpften Personen mit SARS-Cov-2 und einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe senken kann.

In einem Begleiteditorial [2] wird hervorgehoben, dass der Zeitpunkt der Gabe bedeutsam ist: Fast 50% der Patientinnen und Patienten in dieser Studie hatten das Medikament innerhalb von 72 Stunden nach dem Einsetzen der ersten Symptome erhalten. Eine spätere Gabe scheint weniger wirksam zu sein, wie die Phase-2-Studien gezeigt hätten. Auch Erhebungen zu Molnupiravir bei Influenza legten nahe, dass die Therapie möglichst binnen 72-Stunden erfolgen sollte. Auch betont der Verfasser des Editorials, dass die neuen oralen Virostatika zwar das Therapie-Armamentarium erweitern, aber die Impfung keinesfalls ersetzen können.

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Deutschland können seit dem 3. Januar 2022 COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf Molnupiravir verschreiben, wie die KBV mitteilte.

[1] Jayk Bernal A, Gomes da Silva MM, Musungaie DB et al., for the MOVe-OUT Study Group. Molnupiravir for Oral Treatment of Covid-19 in Nonhospitalized Patients. NEJM, December 16, 2021.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2116044

[2] Whitley R. Molnupiravir — A Step toward Orally Bioavailable Therapies for Covid-19. NEJM, December 16, 2021.

https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMe2117814

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