Persistierende Immunantwort nach natürlicher SARS-CoV-2-Infektion

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Die spezifische zelluläre und humorale Immunität nach SARS-CoV-2-Infektion hält nach den Ergebnissen einer longitudinalen chinesischen Studie [1] über mindestens ein Jahr an. So waren bei mehr als 95% von 101 COVID-19-Rekonvaleszenten auch 6-12 Monate nach Infektion noch spezifische IgG und neutralisierende Antikörper (NAb) nachweisbar. Dabei waren sowohl die Antikörperspiegel als auch die T-Zellantwort mit der Krankheitsschwere assoziiert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in China haben die spezifische Immunantwort auf SARS-CoV-2 bei einer Gruppe von Menschen mit stattgehabter asymptomatischer Infektion oder milder, moderater oder schwerer COVID-19-Erkrankung systematisch untersucht [1]. 6 und 12 Monate nach Diagnose erfolgten Messungen SARS-CoV-2-spezifischer Antikörper. Auch das T-Zell-Gedächtnis gegen Spike- (S), Membran- (M) und Nukleocapsid (N)-Proteine wurde geprüft. Dabei kamen zur Bestätigung parallel jeweils mehrere Messverfahren zum Einsatz: Bei der Antikörperbestimmung, etwa von Nab, IgG und IgM, waren dies Neutralisierung, ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay) und ein Mikropartikel-Chemolumineszenz-Assay (MCLIA). Das T-Zell-Gedächtnis wurde mittels ELISpot (enzyme-linked immunospot assay), intrazellulärer Zytokinfärbung (intracellular cytokine staining, ICS) und einer Flow-Zytometrie, basierend auf einer Tetramer-Färbung, evaluiert.

Während spezifische IgG bei über 95% der Patientinnen und Patienten persistierten, hatten nur 26% nach 12 Monaten nachweisbare anti-SARS-CoV-2-IgM im ELISA und MCLIA. Wenngleich IgG und NAb bei den meisten Rekonvaleszenten durchweg nachweisbar waren, war bei den Antikörpertitern dennoch ein signifikanter Abfall der IgG-Spiegel zu erkennen. Auch bei den NAb wurde bei über 40% in der Studienpopulation ein Abwärtstrend verzeichnet. Dies bedarf weiterer Beobachtung.

Nach 6 und 12 Monaten hatten 93% und 92% mindestens gegen eines der Antigene S1, S2, M oder N eine spezifische T-Zell-Antwort aufgebaut. Bezüglich deren Ausprägung herrschte zwischen den Individuen aber eine große Heterogenität.

Keiner der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer erlitt in der Rekonvaleszenz eine Reinfektion.

Zu wissen, wie lange das Immungedächtnis nach SARS-CoV-2-Infektion vorhält, ist nicht nur für das Individuum im Falle einer erneuten Virusexposition bedeutsam, sondern auch, um zusammen mit den Impfungen einen Immunschutz auf Bevölkerungsebene zu erreichen und weitere Übertragungen zu vermeiden.

[1] Jie Zhang, Hao Lin, Beiwei Ye et al.: One-year sustained cellular and humoral immunities of COVID-19 convalescents, Clinical Infectious Diseases, 2021; ciab884

https://academic.oup.com/cid/advance-article/doi/10.1093/cid/ciab884/6381561

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