Persistenz neutralisierender Antikörper nach SARS-CoV-2-Infektion und -Impfung

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Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Frankreich hat bei fast 9.000 im Gesundheitswesen Tätigen ermittelt, welche Antikörperspiegel nach COVID-19-Impfung offenbar protektiv sind [1]. In Finnland wurde außerdem gezeigt [2], dass IgG gegen das Spike-Protein, vor allem aber auch neutralisierende Antikörper bei den meisten Menschen mindestens ein Jahr nach SARS-CoV-2-Infektion persistieren.

Longitudinale Untersuchungen der Antikörperspiegel nach Impfung, aber auch nach natürlicher Infektion, können helfen abzuschätzen, wie lange der Schutz vor einer (erneuten) COVID-19-Infektion anhält.

Forscherinnen und Forscher der Universitätsklinik in Toulouse haben die Antikörperspiegel bei 8.758 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen nachverfolgt – von Juli 2020, kurz nach der ersten COVID-19-Welle, bis April 2021 [1]. Das Alter betrug im Median 40 Jahre, rund 80% waren Frauen. Zwischen Januar und Mitte April 2021 hatten 55% eine oder zwei Impfdosen erhalten, darunter 27% eine Einzeldosis der Oxford/AstraZeneca-Vakzine, 20% eine Dosis des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer, 53% waren zweimal geimpft.

Über die mediane Beobachtungszeit von 275 Tagen infizierten sich etwa 10% derer, die keine neutralisierenden Antikörper (NAb) aufwiesen. NAb-Titer unter 64 boten eine Schutzwirkung gegen SARS-CoV-2 von 77%, Titer von 64-128 schützten zu 94%. Höhere Titer boten einen Vollschutz. Gemessen an der Gesamtkonzentration der Antikörper im ELISA-Test in Binding Antibody Units (BAU) pro Milliliter nach internationalem WHO-Standard betrug die Schutzwirkung bei 13-141 BAU/ml nur 12%, aber 89,3% bei 141-1700 BAU/ml und 100% über 1700 BAU/ml. Von den zweimal Geimpften hatte einen Monat nach der zweiten Impfung niemand Antikörperkonzentrationen <141 BAU/ml. Bei Nicht-Geimpften, die sich infizierten, war dies drei Monate nach der Infektion hingegen bei 79% der Fall. Ein Monitoring neutralisierender Antikörper, aber auch der Gesamt-Antikörperkonzentration – Letzteres ist im Behandlungsalltag einfacher – könnte helfen, Impfstrategien künftig zu verbessern.

Die Immunantwort auf die natürliche Infektion mit SARS-CoV-2 untersuchten Mitarbeiter des Finnischen Instituts für Gesundheit und Gemeinwohl in Helsinki bei 367 Menschen [2]. 8-13 Monate nach diagnostizierter Infektion mit dem SARS-CoV-2-Wildtyp bestimmten sie die Konzentration von IgG gegen das Spikeprotein (S) und gegen das Nukleoprotein (N) und prüften, ob NAb vorlagen. In einer Subgruppe von 78 Individuen wurden auch NAb gegen die besorgniserregende Virusvarianten (Variants of Concern, VOC) Alpha (B.1.1.7), Beta (B.1.351) und Delta (B.1.617.2) bestimmt.

NAb und S-IgG gegen den Wildtyp persistierten bei 89% und 97% für mindestens 13 Monate nach der Infektion. N-IgG hatten dann allerdings nur noch 36% in der Kohorte. Während die mittleren S-IgG-Konzentrationen zwischen Monat 8 und 13 um weniger als ein Drittel abfielen, reduzierten sich die N-IgG-Konzentrationen um zwei Drittel. Je schwerer die COVID-19-Erkrankung war, desto höher waren auch die IgG- und NAb-Spiegel. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sie auch länger persistieren. Bei Menschen über 60 Jahre fielen IgG- und NAb-Spiegel schneller ab als bei Jüngeren. Im Vergleich zur Antikörperantwort auf die Infektion mit dem Wildtyp war die Neutralisierungskapazität gegen die VOC geringer. Das galt besonders bei mildem Infektionsverlauf und vor allem bei mild verlaufender Infektion mit der Delta-Variante. Somit bestätigt die Studie den partiellen, aber durchaus signifikanten Immun-Escape, der B.1.617.2 offenbar gelingt.

[1] Dimeglio C, Herin F, Martin-Blondel G et al. Antibody titers and protection against a SARS-CoV-2 infection. J Infect. 2021 Sep 21:S0163-4453(21)00483-7.

https://www.journalofinfection.com/article/S0163-4453(21)00483-7/fulltext

[2] Haveri A, Ekström N, Solastie A et al. Persistence of neutralizing antibodies a year after SARS-CoV-2 infection in humans. Eur J Immunol. 2021 Sep 27.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/eji.202149535

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