Pathologische EEG-Befunde bei COVID-19 sind prognostisch wahrscheinlich nicht relevant

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Krampfanfälle und Status epilepticus kommen bei COVID-19 zwar vor. Nach neuen Daten aus den USA [1] scheinen sie aber insgesamt selten zu sein und eher keine prognostische Relevanz zu haben. Berücksichtigte man die Schwere der COVID-19-Erkrankung, waren anfängliche Assoziationen zwischen bestimmten EEG-Befunden und Outcome nicht mehr signifikant.

In Südost-Michigan, einem der frühen Epizentren der SARS-CoV-2-Pandemie in den USA, haben Wissenschaftler in einer retrospektiven Kohortenstudie [1] die Daten von Patienten ausgewertet, bei denen während ihrer Krankenhausbehandlung wegen COVID-19 eine EEG-Ableitung durchgeführt worden war. Das waren zwischen März und Mai 2020 110 von insgesamt 4.100 COVID-19-Patienten. 64 % waren Männer, 67 % Afroamerikaner. Über zwei Drittel waren schwer an COVID-19 erkrankt, waren intubiert oder hatten ein Multiorganversagen. 43 % lagen im Koma. Im Median waren sie fast 27 Tage lang im Krankenhaus.

22 % der 110 Patienten hatten während des Klinikaufenthalts erstmals einen Krampfanfall, bei 7 % war dies ein Status epilepticus. Bei den meisten – 88 % – war zuvor keine Epilepsie bekannt. Die übrigen hatten zwar eine entsprechende Anamnese, jedoch mit guter Krankheitskontrolle.

Die EEGs wurden im Median neun Tage nach Aufnahme ins Krankenhaus abgeleitet. Der mit 91 % häufigste Befund war eine Verlangsamung der elektrischen Hintergrundaktivität, gefolgt von fokaler Verlangsamung in 27 % und periodischen Entladungen in 24 %. 5 % der EEG-Befunde waren normal.

Zunächst schien eine Verlangsamung im EEG mit einem schlechten Outcome assoziiert zu sein. Bei Berücksichtigung der Schwere der COVID-19-Erkrankung und anderer Variablen verlor diese Assoziation aber ihre Signifikanz.

Triphasische GDP („giant depolarizing potentials“) und generalisierte rhythmische Delta-Aktivität (GDRA), wie sie am häufigsten bei metabolischer Enzephalopathie zu beobachten sind, kamen bei 21 und 18 % der Patienten vor. Da insgesamt nur wenige COVID-19-Patienten ein EEG erhalten haben, ist es schwierig, diese Ergebnisse zu verallgemeinern.

[1] Danoun OA, Zillgitt A, Hill C et al.: Outcomes of seizures, status epilepticus, and EEG findings in critically ill patient with COVID-19. Epilepsy & Behavior, 2021;118:107923.

https://doi.org/10.1016/j.yebeh.2021.107923