Parainfektiöse Myelitis als seltene neurologische Manifestation bei COVID-19

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Unter den vielen im Rahmen von COVID-19 beschriebenen neurologischen Manifestationen ist die Myelitis selten. Spanische Wissenschaftler stellten jetzt eine Patientin mit parainfektiöser anti-GD2/GD3-IgM-positiver Myelitis bei asymptomatischer SARS-CoV-2-Infektion vor und werteten 18 in der Literatur beschriebene Fälle aus [1]. Myelitiden traten dabei unabhängig vom Schweregrad der COVID-19-Erkrankung auf.

Neurologen aus Spanien berichten über die mutmaßlich erste Patientin mit Nachweis von Gangliosid-Antikörpern gegen GD2 und GD3 bei COVID-19-assoziierter Myelitis. Seitens der SARS-CoV-2-Infektion, die erst im Aufnahmescreening auffiel, war die Patientin komplett asymptomatisch. Sie hatte Hypästhesien perineal und im distalen Drittel beider Beine und Füße, leichten Harndrang und ein vermindertes Vibrationsempfinden an Knöcheln und Knien. Motorische Symptome fehlten. Im MRT fand sich eine umschriebene Läsion auf Höhe von Th5-Th6, hyperintens in der T2-Wichtung mit Verstärkung nach Gadolinium-Gabe. Blut- und Liquoruntersuchungen waren unauffällig. Da die Patientin weder liquorspezifische oligoklonale Banden noch Antikörper gegen Aquaporin-4 (AQP4) oder Myelin-Oligodendrozyten-Glycoprotein (Anti-MOG) hatte, diagnostizierten die Kollegen eine parainfektiöse Myelitis bei SARS-CoV-2-Infektion. Nach fünftätiger Gabe von intravenösem Methylprednisolon besserten sich Blasenfunktion und Gefühlstörungen. Eine Minderung des Vibrationsempfinden persistierte beim Follow-up nach drei Monaten.

Bei der Literaturrecherche fanden die Wissenschaftler 18 Fälle einer möglichen parainfektiösen Myelitis bei COVID-19. Die Patienten waren durchschnittlich 51 Jahre alt und in 56% Frauen. Neben 17 Patienten (78%) mit kompletter transverser Myelitis wurden jeweils einmal (5,5%) ein Brown-Séquard- bzw. ein Hinterhorn-Syndrom beschrieben, in zwei Fällen (11,1%) bestand eine partielle transverse Myelitis. 88% von 17 Patienten zeigten im spinalen MRT auffällige Befunde. Bei 2 (35%) von 13 entsprechend untersuchten Patienten fanden sich auch im zerebralen MRT Entmarkungsherde als Ausdruck einer akuten, disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM). Klinisch hatten je 89% eine motorische Beteiligung bzw. Harnblasendysfunktion und 78% sensible Symptome. Im Liquor bestand zumeist eine leichte Pleozytose mit durchschnittlich 41/µl. Serumidentische oligoklonale Banden waren nur bei zwei von neun Patienten nachweisbar.

Im Median manifestierte sich die Myelitis acht Tage nach den ersten COVID-19-Symptomen. Die Infektion war bei 72% mittels PCR im Rachenabstrich und sonst serologisch gesichert worden. 44% hatten eine blande Infektion, 33% eine Lungenbeteiligung ohne Ateminsuffizienz, zwei Patienten starben. Als Myelitis-Therapie erhielten 78% Glukokortikoide, 33% intravenöse Immunglobuline und 44% eine Plasmapherese. Bei Entlassung hatte ein Patient sich komplett erholt, bei 28% hatten sich die Symptome mäßig und bei der Hälfte leicht gebessert.

[1] Rodríguez de Antonio LA, González-Suárez I, Fernández-Barriuso I, Rabasa Pérez M.: Para-infectious anti-GD2/GD3 IgM myelitis during the Covid-19 pandemic: Case report and literature review. Mult Scler Relat Disord. 2021 21; 49: 102783.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7826058/

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