Orale antivirale Therapie scheint bei Menschen mit systemischen rheumatischen Erkrankungen effektiv zu sein 

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Eine Fallserie wertete retrospektiv und im „real life“-Setting den Einsatz von antiviralen Medikamenten bei Patientinnen und Patienten mit systemischen rheumatischen Erkrankungen und SARS-CoV-2-Infektion aus. Bei allen 32 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern konnten schwere Verläufe abgewendet werden. Fast alle waren zuvor zumindest zweimal geimpft und über zwei Drittel wurden zum Zeitpunkt der Infektion mit DMARDs („disease-modifying anti-rheumatic drugs“) behandelt.

Patientinnen und Patienten mit systemischen rheumatischen Erkrankungen, insbesondere ältere und männliche sowie jene, die auch an einer Lungenerkrankung leiden, haben ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe. Um die COVID-19-Mortalität und -Morbidität zu senken, stehen für Risikopatientinnen/-patienten zwei antivirale Therapien zur Prophylaxe schwerer Verläufe zur Verfügung, die ambulant verabreicht werden können: Molnupiravir oder Nirmatrelvir/Ritonavir. Die Substanzen zeigten allgemein in Studien eine gute Wirksamkeit. Doch wie ist es bei geimpften Patientinnen und Patienten mit systemischen rheumatischen Erkrankungen?

Die vorliegende Fallserie [1] wertete retrospektiv und im „real life“-Setting den Einsatz dieser antiviralen Medikamente bei rheumatologischen Patientinnen und Patienten aus, die sich zwischen dem 15. Februar und dem 30. April 2022 mit SARS-CoV-2 infiziert hatten (also zu einer Zeit, als bereits die Omikron-Varianten vorherrschten). Sie erhielten die antivirale Therapie binnen der ersten fünf Tage nach Infektion. 94% dieser Patientinnen und Patienten waren zweifach geimpft, 80,6% dreifach. 77,4% waren mit biologischen oder zielspezifischen DMARDs („disease-modifying anti-rheumatic drugs“) behandelt worden.

Im Ergebnis war die Therapie effektiv: Niemand musste hospitalisiert werden. Nur drei Patientinnen/Patienten berichteten milde Nebenwirkungen, die aber auch im Zusammenhang mit der Infektionskrankheit gestanden haben könnten. Bei vier Betroffenen musste die Komedikation zwischenzeitlich unterbrochen werden, da die Gefahr von Wechselwirkungen bestand (Apixaban, Pravastatin, Sildenafil, Bosentan).

Eine interessante Nebenbeobachtung: Bei zwei Betroffenen (beide dreifach geimpft mit mRNA-Vakzinen) trat einen Monat nach Nirmatrelvir/Ritonavir-Gabe erneut eine SARS-CoV-2-Infektion auf, nachdem zwischenzeitlich ein negativer Antigentest vorlag. Die zweite Infektion verlief aber symptomatisch unauffällig.

[1] Fragoulis GE, Koutsianas C, Fragiadaki K et al. Oral antiviral treatment in patients with systemic rheumatic disease at risk for development of severe COVID-19: a case seriesAnn Rheum Dis Epub ahead of print: 31 May 2022.

https://ard.bmj.com/content/annrheumdis/early/2022/06/14/annrheumdis-2022-222845.full.pdf

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