Omikron-spezifische T-Zellantwort nach Booster unter Ocrelizumab

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Auch wenn die Antikörperbildung nach COVID-19-Impfung bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose (MS) unter anti-CD20-Therapie stark beeinträchtigt ist, könnte die T-Zellantwort sie vor einem schweren Verlauf der Infektion schützen – vor allem nach Erhalt einer Drittimpfung. Das legen neue Studiendaten aus der Schweiz nahe [1].

Am Universitätsklinikum in Genf haben Medizinerinnen und Mediziner die T-Zell-Antwort von 20 Personen mit MS unter anti-CD20-Therapie mit Ocrelizumab vor und nach einer dritten Impfdosis mit einer der beiden zugelassenen mRNA-Vakzinen untersucht [1]. Dabei ergab sich ein robustes zelluläres Ansprechen auch im Hinblick auf Omikron- und Delta-Varianten. Aktivierte T-Zellen sind wichtig, um infizierte Zellen abzuräumen und die Viruslast zu verringern. Das kann Dauer und Ausmaß einer symptomatischen Erkrankung verringern.

Gerade im Hinblick auf die dem Immunsystem teilweise entgehende Omikron-Variante von SARS-CoV-2 macht die Booster-Impfung Sinn. Aus vorangegangenen Studien ist bekannt, dass die Titer neutralisierender Antikörper gerade gegen Omikron in den Monaten nach heterologer Infektion oder Impfung kritisch nachlässt [2] – wir berichteten. Problematisch ist das vor allem für Menschen, die aufgrund einer B-Zell-depletierenden Therapie nur eine geringe Antikörperantwort aufbauen können, wie MS-Patientinnen oder -Patienten, die Ocrelizumab erhalten. Ein gutes Ansprechen seitens der T-Lymphozyten ist bei ihnen umso wichtiger.

In der kleinen prospektiven Kohortenstudie von März bis November 2021 entnahmen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den 20 Patientinnen und Patienten vor und einen Monat nach der dritten Impfdosis mit BNT162b2 oder mRNA-1273 Blut ab, um Spike-Protein-spezifische CD4- und CD8-positive T-Zellen gegen die Delta- und Omikron-Varianten zu bestimmen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren durchschnittlich rund 46 Jahre alt. 55% waren Männer. Spezifische Memory-T-Zellen waren bei 9 bis 12 Betroffenen, also etwa bei der Hälfte, sechs Monate nach der zweiten Impfung erhalten geblieben, allerdings weniger gegen die neueren Varianten (Delta 83% CD8- und 72,2% CD-4-Zellen; Omikron 78,9% und 62,5%). Eine dritte Impfdosis erhöhte das Impfansprechen gegen alle Varianten bei 11 bis 15 Patienten mit signifikantem Anstieg der CD8-T-Zellen.

[1] Madelon N, Heikkilä N, Sabater Royo I et al.: Omicron-Specific Cytotoxic T-Cell Responses After a Third Dose of mRNA COVID-19 Vaccine Among Patients With Multiple Sclerosis Treated With Ocrelizumab. JAMA Neurol. 2022 Feb 25. doi: 10.1001/jamaneurol.2022.0245.

https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2789588

[2] Wilhelm A, Widera M, Grikscheit K et al. Reduced Neutralization of SARS-CoV-2 Omicron Variant by Vaccine Sera and Monoclonal Antibodies. 8 December 2021.

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.12.07.21267432v1

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