NMOSD als Komplikation nach SARS-CoV-2-Totimpfstoffgabe

© iStock/Evgenii Kovalev

Eine Kasuistik aus China [1] weist auf das Auftreten einer Neuromyelitis-optica-Spektrumerkrankung (NMOSD) im zeitlichen Zusammenhang mit der Gabe einer inaktivierten SARS-CoV-2-Vakzine hin, die bislang in der EU noch nicht zugelassen ist. Die Erkrankung entwickelte sich mit ersten Symptomen nach drei Tagen über zwei Monate. AQP4-Autoantikörper waren positiv; eine Glukokortikoid-Therapie war erfolgreich.

Nach SARS-CoV-2-Impfungen wurde sowohl bei Vektor- als auch bei mRNA-Impfstoffen Fälle mit zentralen neurologischen Komplikationen berichtet. Dazu gehören Berichte über Myelitis transversa [2] sowie von einem Patienten mit einem NMOSD-ähnlichem Bild (Neuromyelitis-optica-Spektrumerkrankung) mit Erblindung und Paraplegie (wir berichteten).

Eine aktuelle Kasuistik aus China [1] berichtet nun erstmals vom Auftreten einer NMOSD nach der ersten Dosis eines SARS-CoV-2-Totimpfstoffs.

Die bislang gesunde Patientin mittleren Alters entwickelte drei Tage nach der ersten Impfung leichtes Fieber, Erbrechen, Diarrhoen und Husten. Nach einer symptomatischen Behandlung entwickelten sich über zwei Monate zunehmend Übelkeit, Schwindel und Gangunsicherheit. Die neurologische Untersuchung ergab einen abgeschwächten Rachenreflex und Extremitätenparesen. Im zerebralen MRT zeigten sich Läsionen in der Area postrema sowie bilateral im Hypothalamus wie es für die NMOSD typisch ist. Antikörper-Untersuchungen im Serum waren positiv für AQP4, ANA, SSA, SSB, Ro-52 und p-ANCA. Die Einordnung des Krankheitsbildes erfolgte als Aquaporin-4-Antikörper-positive NMOSD mit systemischer Autoimmunitätsreaktion. Nach der Behandlung mit Methylprednisolon (500 mg über fünf Tage) bildeten sich die Symptome weitestgehend zurück.

Da die NMOSD eine ernste, jedoch behandelbare Erkrankung darstelle, sei es wichtig, die Symptomatik nach einer COVID-Impfung zu erkennen, kommentieren die Autorinnen/Autoren. Da in diesem Fall keine Vorbefunde zu einer Autoimmunität vorhanden waren, sei nicht klar, ob der Impfstoff die NMOSD nur induziert oder direkt verursacht habe. Das Vorliegen multipler Antikörper spreche gegen eine Genese der AQP4-IgG via molekulare Mimikry. Insbesondere bei bekannten Autoimmunerkrankungen sei besondere Aufmerksamkeit geboten.

[1] Chen S, Fan XR, He S et al. Watch out for neuromyelitis optica spectrum disorder after inactivated virus vaccination for COVID-19. Neurol Sci, 29 Jun 2021 doi: 10.1007/s10072-021-05427-4.

https://link.springer.com/article/10.1007/s10072-021-05427-4

[2] Paul-Ehrlich-Institut. SICHERHEITSBERICHT. Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19. Langen, den 04.03.2021

https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/EN/newsroom-en/dossiers/safety-reports/safety-report-27-december-26-february-2021.pdf?__blob=publicationFile&v=9