Niedermolekulares Heparin verkürzt offenbar Viruspersistenz

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Wer bei COVID-19 im Krankenhaus antikoaguliert wird, hat bessere Überlebenschancen. Einer retrospektiven Multicenter-Studie aus Österreich mit 568 Patienten zufolge [1] scheinen dabei Mechanismen zu greifen, die über die gerinnungshemmende Wirkung hinausgehen. Biomarker für Hämostase und Thromboinflammation änderten sich nämlich weder unter LMWH noch unter der Gabe von neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK). Dennoch war die Mortalität unter LMWH reduziert. Und: Die SARS-CoV-2-PCR war unter LMWH vier Tage kürzer positiv als bei Betroffenen, die keine LMWH erhielten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an drei Zentren in Österreich haben retrospektiv ausgewertet, inwieweit sich eine Antikoagulation nicht nur auf das Überleben hospitalisierter an COVID-19-Erkrankter auswirkt, sondern auch auf die Entwicklung einer Koagulopathie und auf die Viruspersistenz [1]. In einer Subgruppe von 106 COVID-19-Patientinnen und -Patienten wurden dabei auch wiederholt Biomarker untersucht: unter anderem D-Dimere als Marker der Hämostase, citrullinierte Histon-3 (H3Cit)-DNA als Biomarker der Thromboinflammation mit Bildung sogenannter Neutrophile Extracellular Traps (NET) und zellfreie DNA (cfDNA) als Zelltod-Marker.

419 (71,5%) der Betroffenen erhielten LMWH und 62 (10,5%) NOAK, bei den übrigen erfolgte keine medikamentöse Blutverdünnung. 418 hatten einen unkomplizierten Krankheitsverlauf, 80 mussten auf der Intensivstation behandelt werden und 88 starben. Obwohl sich das Sterberisiko unter LMWH um rund 44% verminderte, hatten weder LMWH noch NOAK einen Einfluss auf erhöhte D-Dimer-Werte oder Thromboinflammations-Marker. Stattdessen wurde unter Antikoagulation ein Rückgang von cfDNA beobachtet.

Bei Patientinnen und Patienten, die LMWH erhielten, verkürzte sich zudem die Zeit eines Virusnachweises in der PCR gegenüber den übrigen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern signifikant von im Median 13 auf 9 Tage. Die Assoziation zu einer verkürzten Viruspersistenz blieb auch bestehen, wenn andere Einflussfaktoren, etwa die Einnahme von Glukokortikoiden oder antiviralen Substanzen, berücksichtigt wurde. Die Einnahme von NOAK hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Viruspersistenz.

Während die H3Cit-DNA-Spiegel bei Patienten mit ungünstigem Outcome – Intensivbehandlung oder Tod – während des gesamten Krankenhausaufenthaltes erhöht waren, variierten die cfDNA-Spiegel im Verlauf abhängig vom Ausgang. So waren sie bei Hospitalisierten mit unkompliziertem Verlauf und bei den auf der Intensivstation Behandelten im Verlauf rückgängig, nahmen aber bei den Menschen, die starben, stetig zu. Hypothetische Erklärungsmechanismen für eine Schutzwirkung der LMWH jenseits der Hämostase sind Veränderungen des Entzündungsmilieus und die Reduktion von oxidativem Stress, ferner der Erhalt der Gefäßintegrität, etwa durch Hemmung der Endothelzell-Heparinase.

[1] Pereyra D, Heber S, Schrottmaier WC et al.: Low molecular weight heparin use in COVID-19 is associated with curtailed viral persistence-a retrospective multicenter observational study. Cardiovasc Res. 2021 Oct 5:cvab308. Epub ahead of print.

https://www.researchgate.net/publication/355113288_Low_molecular_weight_heparin_use_in_COVID-19_is_associated_with_curtailed_viral_persistence-a_retrospective_multicenter_observational_study

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