Nicht jeder monoklonale Antikörper wirkt gegen die Omikron-Varianten

© iStock/howtogoto

Möchte man Menschen mit SARS-CoV-2-Infektion mit einem der Omikron-Subtypen BA.2.12.1, BA.4 oder BA.5 mit monoklonalen Antikörpern behandeln, sind letztere sorgfältig auszuwählen. Nach neuen in-vitro-Untersuchungen [1] scheint unter den von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zugelassenen anti-SARS-CoV-2-Antikörpern nur Bebtelovimab gegen alle drei Varianten-Unterlinien ausreichend gut wirksam. Die kleinen antiviralen Moleküle Remdesivir, Molnupiravir und Nirmatrelvir scheinen hingegen alle effektiv.

Weltweit zirkulieren mit BA.1-5 derzeit fünf Linien der Omikron-Variante. Noch im Juni dominierte BA.2, in vielen Weltregionen nahm aber schon damals die Prävalenz der Unterlinie BA.2.12.1 sowie auch von B.4 und B.5 rapide zu. Inzwischen (Stand 10. August) wird BA.5 weltweit am häufigsten nachgewiesen [2]. Alle drei Viruslinien weisen Veränderungen in der rezeptorbindenden Domäne des Spike-Proteins von SARS-CoV-2-Virus auf. Daher steht zu befürchten, dass Therapien mit monoklonalen Antikörpern, die genau dort binden, um den Viruseintritt zu verhindern, möglicherweise nicht gut greifen. Ein Team japanischer und US-amerikanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat nun die Neutralisierungskapazität der von der FDA für die Behandlung bei SARS-CoV-2-Infektionen zugelassenen monoklonalen Antikörper gegen diese drei Viruslinien untersucht und außerdem die in-vitro-Wirksamkeit zugelassener antiviraler kleiner Moleküle [1].

Verwendet wurden für die Antikörper der 50%-Lebendvirus-FRNT (FRNT50, „focus reduction neutralization test“), für die kleinen Moleküle die 50%-Hemmkonzentration (IC50). Für beide Messungen gilt: Höhere Werte bedeuten eine geringere Wirksamkeit. Die Antikörper wurden allein und in Kombination getestet. So hat beispielsweise Casirivimab gegenüber BA.2.12.1, BA.4 und BA.5 keine Neutralisationskapazität mehr, während sie unter Imdevimab zwar erhalten ist, die Kombination aber gegenüber dem in der Studie verwendeten Vorläufer-Stamm SARS-CoV-2/UT-NC002-1T/Human/2020/Tokyo um die Faktoren 131,6, 133,5 und 317,8 höhere FRNT50-Werte aufweist – und somit gerade gegen BA.5 deutlich schlechter wirkt. Tixagevimab neutralisierte BA.2.12.1 zwar besser als den Vorläufer, wirkte aber nicht gegen BA.4 und BA.5. Zusammen mit Cilgavimab, welches alle drei Subvarianten mit vergleichsweise niedrigen FRNT50-Werten neutralisierte, wirkte es zwar auch gegen alle drei, allerdings ebenfalls schlechter als gegen das Vorläufervirus. S309, der Vorläufer von Sotrovimab, hat gegenüber den drei neuen Omikron-Varianten seine Neutralisationskapazität verloren. Einzig das in Europa noch nicht zugelassene Bebtelovimab neutralisierte alle drei vergleichbar gut wie das Vorläufer-Virus und kommt damit am ehesten für die Behandlung infrage.

Obwohl die neuen Varianten im Vergleich zum Referenzvirus Wuhan/Hu-1/2019 Mutationen in ihrer RNA-abhängigen RNA-Polymerase und in ihrer wichtigsten Protease aufweisen, erwiesen sich die kleinen antiviralen Moleküle Remdesivir, Molnupiravir und Nirmatrelvir in vitro sämtlich effektiv, mit teilweise sogar niedrigen IC50-Werten als gegen SARS-CoV-2/UT-NC002-1T/Human/2020/Tokyo.

[1] Takashita E, Yamayoshi S, Simon V et al. Efficacy of Antibodies and Antiviral Drugs against Omicron BA.2.12.1, BA.4, and BA.5 Subvariants. N Engl J Med. 2022 Aug 4;387(5):468-470. doi: 10.1056/NEJMc2207519. Epub 2022 Jul 20.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2207519

[2] WHO. Weekly epdemiological update on Covid-19. 10. August 2022

https://www.who.int/publications/m/item/weekly-epidemiological-update-on-covid-19---10-august-2022 (letzter Abruf: 17.08.2022)

Nach oben springen