Neuropathogenese und neurologische Manifestationen von SARS-CoV-2

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Inzwischen ist evident, dass auch SARS-CoV-2, ähnlich wie andere Coronaviren, neurotrope Eigenschaften aufweist. Das vorliegende Review [1] fasst das bisherige Wissen zu dem Thema zusammen; angefangen mit MERS-CoV und SARS-CoV-1, über die seit den Ausbrüchen 2002/2003 und 2012 viel geforscht wurde, bis hin zu HCoV-OC43, für welches beispielsweise eine Assoziation mit demyelinisierenden Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose nachgewiesen ist.

Für SARS-CoV-2 werden sowohl häufig als auch selten auftretende neurologische Manifestationsformen und Symptome beschrieben (Anosmie/Ageusie, Kopfschmerz, Bewusstseinsstörungen durch Enzephalitis, metabolisch-toxische Enzephalopathie, Demyelinisierung, Anfälle, Schlaganfälle und andere vaskuläre Ereignisse, Guillain-Barré-Syndrom). Grundsätzlich können neurologische Symptome durch primäre oder sekundäre Pathomechanismen zustande kommen. Eine direkte Neuroinvasion ist über mehrere Wege möglich, retrograd über den Riechnerv bzw. transsynaptischen Transfer (exo-endozytotisch), aber auch durch die Blut-Hirn-Schranke via Gefäßendothel oder die Migration infizierter Leukozyten. Die Datenlage zur ACE2-Rezeptor-assoziierten zellulären SARS-CoV-2-Aufnahme wächst kontinuierlich und es ist bekannt, dass ACE2 in vielen Regionen des zentralen Nervensystems exprimiert wird.

Nach Ansicht der Autoren des in JAMA Neurology publizierten Reviews ist es erforderlich, die Neurotropie von SARS-CoV-2 weiter zu erforschen, unter Berücksichtigung von Liquorbefunden, zerebraler Bildgebung sowie Histologie. Einerseits könne die Früherkennung einer neurologischen COVID-19-Beteiligung zur Verbesserung des Outcomes beitragen, andererseits seien aber auch longitudinale bzw. Langzeit-Follow-up-Studien notwendig, um das Management der Erkrankungen zu optimieren.

Darüber hinaus wird in diesem umfassenden Review auch die derzeitige Datenlage zu den medikamentösen Behandlungsversuchen mit Chloroquin, Tocilizumab und Remdesivir zusammengefasst und schließlich ein Überblick über die speziellen Empfehlungen bei der Betreuung während der Pandemie von Patienten mit MS, Epilepsie und neuromuskulären Erkrankungen gegeben.

Zubair AS, McAlpine LS, Gardin T et al. Neuropathogenesis and Neurologic Manifestations of the Coronaviruses in the Age of Coronavirus Disease 2019. JAMA Neurol 2020, May 29 doi:0.1001/jamaneurol.2020.2065

https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2766766