Neuronale Entwicklung von in der Pandemie Geborenen deutlich beeinträchtigt

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Verglichen mit Kindern, die vor der Pandemie in einem Zentrum in New York geboren wurden, war die motorische und persönlich-soziale neuronale Entwicklung bei Kindern, die während der SARS-CoV-2-Pandemie dort auf die Welt kamen, nach sechs Monaten weniger fortgeschritten, berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA [1]. Ob die Mutter sich während der Schwangerschaft mit SARS-CoV-2 infiziert hatte, spielte dabei allerdings keine Rolle.

Wenngleich Daten von früheren Ausbrüchen mit humanpathogenen Coronaviren wie SARS und MERS oder etwa auch von HIV-exponierten, aber nicht infizierten Kindern darauf hindeuten: die ursprüngliche Vermutung, dass die neuronale Entwicklung von Kindern durch eine mütterliche SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft verzögert würde, sah das Team von der Columbia University in ihrer prospektiven Kohortenstudie nicht bestätigt [1].

 Im Rahmen der „COVID-19 Mother Baby Outcomes“ (COMBO)-Initiative sprachen die Forscherinnen und Forscher alle Frauen an, die zwischen März und Dezember 2020 im Columbia University Irving Medical Center in New York City entbanden und sich in der Schwangerschaft mit SARS-CoV-2 infizierten. Auswahlkriterien für die Vergleichsgruppe nicht in utero SARS-CoV-2-exponierter im selben Zeitraum geborener Kinder waren ähnliches Gestationsalter bei Geburt, Geburtsdatum, Geschlecht und Art der Entbindung. Hinzu kam eine historische Vergleichsgruppe von vor der Pandemie Geborenen. Die neuronale Entwicklung sämtlicher Säuglinge, die letztlich in die Studie eingeschlossen werden konnten – 114 in utero exponierte, 141 nicht exponierte und 62 vor der Pandemie entbundene Kinder –, wurde jeweils im Alter von sechs Monaten anhand der dritten Ausgabe des Ages & Stages Questionnaires (ASQ-3) evaluiert. Die Mütter waren zum Zeitpunkt der Entbindung im Median 32 Jahre alt.

Während unabhängig von Zeitpunkt und Schwere der mütterlichen Infektion während der Pandemie keine signifikanten Unterschiede in irgendeiner ASQ-3-Domäne gegenüber nicht exponierten Kindern auffielen, waren in der Pandemie geborene Kinder im Vergleich zur historischen Kohorte nach sechs Monaten deutlich unterentwickelt. Mit im Mittel -5,63, -6,61 und -3,71 Punkten hatten sie signifikant schlechtere Scores in dem Domänen Grobmotorik, Feinmotorik und im persönlich-sozialen Verhalten. Die niedrigsten Scores wurden beobachtet, wenn die frühe Schwangerschaft zeitlich mit dem ersten Gipfel der Pandemie in New York City zusammenfiel.

Da es keine Rolle spielte, ob die Kinder in utero dem SARS-CoV-2-Virus ausgesetzt waren, gehen die Autorinnen und Autoren davon aus, dass eher COVID-19-assoziierter Stress bei den Müttern zugrundliegen könnte. Dazu hätten beispielsweise der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung, Probleme bei der Nahrungsmittelversorgung und Ängste und Depressionen beigetragen, die während der Pandemie verstärkt beobachtet worden seien. Um Wege zu finden, einer möglichen Krise der öffentlichen Gesundheit für die Generation der in der COVID-19-Pandemie Geborenen entgegenzuwirken, sind ein Langzeit-Monitoring und weitere Studien nötig.

[1] Shuffrey LC, Firestein MR, Kyle MH et al. Association of Birth During the COVID-19 Pandemic With Neurodevelopmental Status at 6 Months in Infants With and Without In Utero Exposure to Maternal SARS-CoV-2 Infection. JAMA Pediatr. 2022 Jan 4: e215563.

https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2787479

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