Neurologische und psychiatrische Folgen nach COVID-19 und anderen, vergleichbar schweren Erkrankungen

© iStock/KatarzynaBialasiewicz

Eine Studie untersuchte, ob sich die kognitiven, neurologischen und psychiatrischen Folgen nach COVID-19-bedingter Hospitalisierung von anderen hospitalisierungspflichtigen Nicht-COVID-19-Erkrankungen unterscheiden. Sechs Monate nach der COVID-19-Erkrankung war der kognitive Status zwar schlechter als bei ähnlich schweren Nicht-COVID-19-Erkrankungen, die Gesamtlast psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen war aber in beiden Gruppen vergleichbar.

Eine prospektive Fall-Kontroll-Studie analysierte hospitalisierte COVID-19-Überlebende und Kontrollpersonen mit hospitalisierungspflichtigen Nicht-COVID-19-Erkrankungen von Juli 2020 bis Juli 2021, verglich die Gruppen und beobachtete sie über weitere sechs Monate. Die Gruppen waren nach Alter, Geschlecht und Umfang der Intensivtherapie (vergleichbare Schweregrade) gematcht. Die Teilnehmenden wurden klinisch-neurologisch sowie mit dem „Montreal cognitive assessment-Test“ (MoCA) untersucht und nach subjektiven Symptomen befragt. Primäres Outcome waren der MoCA-Score und neu aufgetretene neuropsychiatrische Diagnosen. Das sekundäre Outcome umfasste spezielle psychiatrische Diagnosen, subjektive Symptome und neurologische Untersuchungsbefunde. Adjustiert wurden die Ergebnisse hinsichtlich Alter, Geschlecht, Intensivtherapie und deren Dauer sowie Follow-up-Zeiten.

In der Subgruppe COVID-19-Überlebender, von denen bei Entlassung ein MoCA-Score vorlag (n=15), verbesserte sich dieser im Verlauf von sechs Monaten deutlich von 19,2 auf 26,1 (p=0,004). Nach sechs Monaten war der mittlere MoCA-Score (adjustiert für Bildungsstand, Erkrankungsschwere, Intubation, Komorbiditäten) bei COVID-19-Überlebenden geringfügig, aber signifikant niedriger als bei den Kontrollen (26,7 versus 27,5; p=0,01). MoCA-Scores ≤26 und ≤24 waren in der COVID-19-Gruppe signifikant häufiger (29% vs. 17% und 14% vs. 2%).

Die Gesamtzahl neuer psychiatrischer Diagnosen nach sechs Monaten war mit 16/85 (19%) in der COVID-19-Gruppe sowie 12/61 (20%) in der Kontrollgruppe statistisch nicht signifikant unterschiedlich (OR 0,93; p=0,87). Auch beim sekundären Outcome gab es keine signifikanten Unterschiede: In der COVID-19-Gruppe litten 81% noch an mindestens einem subjektiven Symptom; in der Kontrollgruppe 93%. Lediglich eine Hyp- oder Anosmie war bei COVID-19-Überlebenden mehr als viermal häufiger (22% vs. 7%; OR 4,56, p=0,006).

Die Studie zeigt nach Ansicht der Publizierenden die Wichtigkeit gut gematchter Kontrollgruppen bei Post-COVID-19-Studien, denn kognitive Langzeitstörungen waren nach COVID-19 zwar ausgeprägter, aber anscheinend nicht spezifisch, weil ähnliche Beobachtungen auch bei vergleichbar schweren Nicht-COVID-19-Erkrankungen auftraten. 

[1] Nersesjan V, Fonsmark L, Christensen RHB et al. Neuropsychiatric and Cognitive Outcomes in Patients 6 Months After COVID-19 Requiring Hospitalization Compared With Matched Control Patients Hospitalized for Non-COVID-19 Illness. JAMA Psychiatry. Published online March 23, 2022.

https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2790554

Nach oben springen