Neurologische Spätfolgen von COVID-19 – was wissen wir?

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COVID-19 führt bei einem beträchtlichen Teil der Betroffenen – bei fast einem Drittel – zu Gesundheitsproblemen in Folge, nach drei Monaten sind, so eine aktuelle Metaanalyse, Fatigue, „Brain Fog“ und Schlafprobleme vorherrschend, und zwar auch bei den Betroffenen, die nicht hospitalisiert werden mussten. Bei ehemals intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten ergab eine weitere Studie, dass fast drei Viertel nach einem Jahr noch an körperlichen Symptomen litt. Die Krankheitslast durch COVID-19 erstreckt sich also weit über die Akutphase hinaus und umfasst neurologische Symptome. Das sollte zukünftig bei der Versorgungsplanung bedacht werden.

Eine aktuelle Metaanalyse [1] wertete neurologische und neuropsychiatrische Symptome drei Monate nach akuter COVID-19-Erkrankung aus. 19 Studien mit insgesamt 22.815 Patientinnen und Patienten gingen in die Auswertung ein. Die neurologischen Symptome umfassten Anosmie, Dysgeusie, Kopfschmerzen, kognitive Dysfunktion, Fatigue, Schmerzen (neuropathische wie Myalgien) und Störung des peripheren Nervensystems, darunter Bewegungseinschränkungen und Parästhesien. Neuropsychiatrisch wurden Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen erfasst.
Während bei der Akuterkrankung vor allem Anosmie, Dysgeusie und Kopfschmerzen symptomatisch vorherrschend waren, traten nach drei Monaten besonders häufig Fatigue (insgesamt 44%, bei den zuvor wegen COVID-19 Hospitalisierten 50%), „Brain Fog“ (insgesamt 35%, bei den zuvor wegen COVID-19 Hospitalisierten 39%), Schlafstörungen (insgesamt 30%, bei den zuvor wegen COVID-19 Hospitalisierten 36%), Gedächtnisprobleme (insgesamt 29%, bei den zuvor wegen COVID-19 Hospitalisierten 30%) und Schmerzen (insgesamt 28%, bei den zuvor wegen COVID-19 Hospitalisierten 31%) auf. Das Vorliegen neurologischer und neuropsychologischer Symptome 12 Wochen nach der Akuterkrankung zeigt, dass COVID-19 bei rund einem Drittel der Erkrankten zu Folgesymptomen führt, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können.

In der beschriebenen Metaanalyse betrug der Anteil einer persistierenden Anosmie nach drei Monaten 11% (19% bei den ehemals hospitalisierten Patientinnen und Patienten). Eine aktuell in BMJ publizierte Studie [2] ermittelte ein Jahr nach stationär behandlungsbedürftiger COVID-19-Erkrankung für Anosmie und/oder Dysgeusie einen Prozentsatz von 12,8 %.

Bei der Analyse von Spätfolgen nach intensivpflichtiger COVID-19-Erkrankung [3] gaben ein Jahr nach der Akuterkrankung 74,3% der 246 Betroffenen an, unter körperlichen Symptomen zu leiden: 38,9% litten unter allgemeiner körperlicher Schwäche, 24,8% unter Muskelschwäche und 21,3% unter Myalgien. Der Anteil der Betroffenen mit neuropsychiatrischen Symptomen wie Angststörungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen betrug 26,2%. Kognitive Einschränkungen gaben 16,2% der Betroffenen an.

[1] Premraj L, Kannapadi NV, Briggs J et al. Mid and long-term neurological and neuropsychiatric manifestations of post-COVID-19 syndrome: A meta-analysis. Journal of Neurological Sciences. Published: January 27, 2022.

https://www.jns-journal.com/article/S0022-510X(22)00021-1/fulltext

[2] Tan HQM, Pendolino AL, Andrews PJ et al. Prevalence of olfactory dysfunction and quality of life in hospitalised patients 1 year after SARS-CoV-2 infection: a cohort study. BMJ Open. 2022 Jan 25;12(1):e054598.

https://bmjopen.bmj.com/content/12/1/e054598.long

[3] Heesakkers H, van der Hoeven JG, Corsten S et al. Clinical Outcomes Among Patients With 1-Year Survival Following Intensive Care Unit Treatment for COVID-19. JAMA. 2022 Feb 8;327(6):559-565.

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2788504

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