Neurologische Post-COVID-19-Symptome korrelieren nicht mit Biomarkern der ZNS-Schädigung

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Eine schwedische Studie [1] untersuchte, ob neurologische Probleme („brain fog“, Gedächtnisstörungen oder Fatigue) nach einer COVID-19-Erkrankung mit einer Erhöhung verschiedener Plasma-Biomarker einhergehen, die Schädigungen des zentralen Nervensystems anzeigen, wie Neurofilament-L (NF-L), saures Gliafaserprotein (GFAp) und der Wachstums-Differenzierungs-Faktor-15 (GDF-15). Interessanterweise waren diese nur in der akuten Krankheitsphase erhöht, normalisierten sich dann aber im Verlauf und stehen demnach eher nicht im Zusammenhang mit der persistierenden Symptomatik.

In der aktuellen Studie wurden 100 Patientinnen und Patienten mit bestätigter COVID-19-Diagnose prospektiv untersucht. 24 hatten einen milden, 28 einen moderaten und 48 einen schweren Krankheitsverlauf. Eine Kontrollgruppe wurde aus gesunden, altersgematchten Menschen gebildet. Bei allen wurden neurologische Symptome in der Akutphase sowie sechs Monate im Follow-up erfasst und regelmäßig Blutproben genommen. Analysiert wurden Neurofilament-L (NF-L), saures Gliafaserprotein (GFAp) und der Wachstums-Differenzierungs-Faktor-15 (GDF-15) als mögliche Biomarker einer ZNS-Schädigung.

In der Akutphase hatten die Patientinnen und Patienten mit schweren Verläufen signifikant höhere Nf-L-Konzentrationen als solche mit moderaten oder milden Verläufen (p<0,001). Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren auch die GFAp-Spiegel bei den Betroffenen mit schweren sowie bei jenen mit moderaten Verläufen erhöht. Nf-L und GFAp korrelierten in der Akutphase mit GDF-15, welches bei Entzündungen und Stressexposition vermehrt exprimiert wird. Nach sechs Monaten hatten sich Nf-L- und GFAp-Konzentrationen bei allen Patientinnen und Patienten wieder normalisiert, es gab keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

Dennoch klagten 50% der Betroffen nach sechs Monaten über anhaltende neurologische Beschwerden, am häufigsten über Fatigue (n=40), „brain fog“ (n=29) und/oder Beeinträchtigungen der Kognition (n=25). Diese Symptome bestanden unabhängig von den ZNS-Biomarker-Konzentrationen in der Akutphase. Die Normalisierung der Biomarker im Verlauf bei allen Patientinnen und Patienten wird von den Autorinnen und Autoren so interpretiert, dass die neurologischen Post-COVID-19-Symptome eher nicht in Zusammenhang mit einer möglichen ZNS-Schädigung stehen.

[1] Kanberg N, Simrén J, Edén A et al. Neurochemical signs of astrocytic and neuronal injury in acute COVID-19 normalizes during long-term follow-up. EBioMedicine 2021 Jul 29; 70: 103512.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34333238/

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