Neurologische Manifestationen und Langzeitfolgen bei hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten

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Zwei neue Studien evaluierten bei hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten neurologische Manifestationen und Langzeitfolgen und deren Abhängigkeit vom Schweregrad der Infektion. Die Hälfte der weniger schwer Erkrankten hatte akute neurologische Symptome; bei den Schwerkranken waren es über 80%. Diese litten auch bei den Nachuntersuchungen nach sechs Monaten zu über 80% unter persistierenden neurologischen Störungen. Langzeitprädiktoren waren neben dem COVID-19-Schweregrad auch das Alter und Komorbiditäten.

Eine japanische Arbeit [1] analysierte 95 konsekutive, hospitalisierte an COVID-19 erkrankte Menschen (im Mittel 53 Jahre, 40% Frauen).  Zunächst wurde die akute neurologische Symptomatik, die innerhalb von zwei Wochen nach COVID-19-Symptombeginn auftrat, zwischen den leichter (n=60) und den schwer (mit hohem Sauerstoffbedarf) Erkrankten (n=35) verglichen. Insgesamt wiesen 63% der 95 Patientinnen und Patienten akute neurologische Symptome auf, Schwerkranke deutlich häufiger (83% versus 52%). Bewusstseinsstörungen (49%) und verminderte Muskelkraft (54%) traten nur in der Gruppe der Schwerkranken auf. In der Untergruppe der 12 beatmungspflichtigen Patientinnen und Patienten (mittleres Alter 72 Jahre, 42% Frauen) kam es bei 83% zu neurologischen Manifestationen wie Enzephalopathie (82%), Polyneuropathie (55%) oder zerebrovaskulären Komplikationen (17%).

Subakut zeigten sich neurologische Symptome bei 92%; hier dominierten Hirnfunktionsstörungen (82%), verminderte Muskelkraft (75%), Tremor (58%) und Bewusstseinsstörungen (17 %). Neurologische Langzeitfolgen (erfasst an Tag 51 und 137 nach Erkrankungsbeginn) lagen noch bei 83% der Untersuchten vor, darunter Hirnfunktionsstörungen (73%), Muskelschwäche (50%) und Tremor (58%).

In einer italienischen Studie [2] wurden aus einer Population von 208 konsekutiven, stationär behandelten COVID-19-Patientinnen und -Patienten nach sechs Monaten 165 Personen neurologisch nachuntersucht. Es zeigte sich eine breite Palette verschiedener neurologischer Auffälligkeiten. Am häufigsten waren Fatigue (34%), Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen (31%) sowie Schlafstörungen (30%). Bei der klinisch-neurologischen Untersuchung wiesen 40% pathologische Befunde auf, wie eine Hyposmie (18%), kognitive Defizite (17,5%), Haltetremor (13,8%) und leichte sensomotorische Störungen (7,6%). Als unabhängige Prädiktoren der Prävalenz und der Ausprägung neurologischer Langzeitschäden erwiesen sich neben dem COVID-19-Schweregrad auch höheres Alter und Begleiterkrankungen.

[1] Ishiyama H, Ishii J, Yoshimura H et al. Neurological Manifestations and Long-term Sequelae in Hospitalized Patients with COVID-19. Intern Med 2021 Sep 11. doi: 10.2169/internalmedicine.7802-21. Online ahead of print

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34511566/

[2] Pilotto A, Cristillo V, Cotti Piccinelli S et al. Long-term neurological manifestations of COVID-19: prevalence and predictive factors. Neurol Sci 2021 Sep 15 : 1–5 doi: 10.1007/s10072-021-05586-4 [Epub ahead of print]

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8439956/

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