Neurologische COVID-19-Komplikationen in der Pädiatrie

©iStock/Hispanolistic

Bedeutung und Spektrum einer Beteiligung des Nervensystems bei COVID-19 sind bei Kindern und Jugendlichen noch wenig bekannt. Eine Studie zeigte nun, dass eine neurologische Beteiligung in dieser Patientengruppe mit 22% häufig, jedoch meist nur vorübergehend ist. Bei 12% der akut neurologisch symptomatischen Patienten kam es aber zu schweren neurologischen Komplikationen, von diesen verstarb jeder vierte.

In einer Studie wurden Fallserien aus dem Jahr 2020 mit hospitalisierten Patienten <21 Jahren (SARS-CoV-2-PCR- oder Antikörper-positiv) von 61 Kliniken in den USA analysiert („Overcoming COVID-19 Public Health Registry“). Die neurologische Beteiligung bestand schon bei der Aufnahme oder entwickelte sich erst im Verlauf.

Von 1.695 Patienten (54% männlich, Alter 2,4-15,3 Jahre) hatten 365 (22%) eine akute neurologische Beteiligung. Bei der Datenanalyse zeigte sich, dass 81 der 365 Betroffenen (22%) eine neurologische Grunderkrankung aufwiesen – gegenüber 8% neurologischen Grunderkrankungen bei Patienten ohne akute neurologische Manifestation (113/1330). Die Kriterien eines Multisystem-Inflammations-Syndroms (PIMS - „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome”) erfüllten 36% (616 Patienten): 126 der 365 Patienten (35%) mit akuter neurologischer Beteiligung und 490 der 1330 ohne akute neurologische Beteiligung (37%).

Von den 365 Patienten mit akuter neurologischer Beteiligung hatten 322 (88%) transiente Symptome und 43 (12%) hatten potenziell lebensbedrohliche Komplikationen. Eine lebensbedrohliche Situation wurde definiert anhand klinischer und/oder neuroradiologischer Befunde. Darunter waren schwere Enzephalopathien (n=15), Schlaganfall (n=12), ZNS-Entzündung oder -Demyelinisierung (n=8), Guillain-Barré-Syndrom (n=4) und fulminant-akutes Hirnödem (n=4). Gegenüber den 322 nicht-lebensbedrohlich Erkrankten hatten die 43 kritisch Kranken eine höhere Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio (median 12,2 versus 4,4) und häufiger erhöhte D-Dimere (49% gegenüber 22%). Es verstarben 11 der 43 Patienten (26%). 17 der 32 Überlebenden (40%) hatten bei der Entlassung noch neurologische Defizite (die zuvor nicht bestanden hatten). Die neurologischen und entwicklungsphysiologischen Langzeitfolgen sind hier noch nicht beurteilbar.

[1] LaRovere KL, Riggs BJ, Poussaint TY et al. Neurologic Involvement in Children and Adolescents Hospitalized in the United States for COVID-19 or Multisystem Inflammatory Syndrome. JAMA Neurol 2021 Mar 5.

https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2777392

Nach oben springen