Neurokognitive COVID-19-Folgen – zum Teil mit Bewegungsstörungen

© iStock/filadendron

Eine aktuelle longitudinale Kohortenstudie untersuchte die Häufigkeit und Dauer postakuter neurologischer COVID-19 Folgen („Postacute Sequelae of COVID-19“/PASC). Die Erhebung zeigte, dass zwei Drittel der Betroffenen trotz mehrheitlich milder oder moderater COVID-19-Erkrankung noch sechs Monate später unter neurologischen Einschränkungen litten, insbesondere unter Gedächtnisproblemen und Konzentrationsstörungen. Neu beschreiben die Autoren bei 7% das sogenannte „PASC-TAC“-Syndrom, bei dem es neben den kognitiven Einschränkungen auch zu Tremor und Ataxie kommt.

Zwischen dem 9. Oktober 2020 und dem 11. Oktober 2021 wurden 56 Patientinnen und Patienten mit neurologischen Symptomen nach einer COVID-19-Erkrankung in diese Erhebung eingeschlossen – das mittlere Alter betrug 50 Jahre, 69% der Betroffenen waren weiblich und bei 29% gab es eine vorbestehende neurologische Erkrankung. Bei der Mehrzahl der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer war die COVID-19-Erkrankung mild (39,3%) oder moderat (42,9%) verlaufen. 27 der 56 Patientinnen und Patienten konnten sechs Monate lang nachverfolgt werden.

In der postakuten Phase waren Fatigue (89,3%) und Kopfschmerzen (80,4%) die vorherrschenden neurologischen Symptome, sechs Monate später hingegen Gedächtnisprobleme (68,8%) und Konzentrationsstörungen (61,5%). Die Autorinnen und Autoren heben hervor, dass die anderen Symptome innerhalb eines halben Jahres zurückgegangen waren, unter Fatigue litten noch 52,2% der Betroffenen, unter Kopfschmerzen 45%.

Ein besonderer PASC-Phänotyp wurde bei 7% der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer beobachtet: Bei ihnen traten neben den kognitiven Einschränkungen Bewegungsstörungen auf. Bei den Betroffenen lagen derartige neurologische Störungen vor der SARS-CoV-2-Infektion nicht vor. Die Bewegungsstörungen umfassten: Tremor, Dysmetrie, trunkale Ataxie, Gangataxie oder Dysdiadochokinese. Das Autorenteam regt an, diesen Phänotyp genauer zu untersuchen, z.B. mittels Bildgebung und serologischer Tests.

Abschließend heben die Autorinnen und Autoren hervor, dass diese postakuten neurologischen COVID-19-Folgen vornehmlich nach milden oder moderaten Verläufen auftraten, während die Patientinnen und Patienten mit COVID-19-assoziierten Hirninfarkten oder -blutungen eher selten darunter zu leiden scheinen. Als Erklärungen führen sie an, dass entweder bei solchen schweren Verläufen die postakuten neurologischen COVID-19-Folgen durch die allgemeine Symptomlast überschattet sein könnten oder die postakuten neurologischen Symptome eine andere Pathogenese haben.

[1] Shanley JE, Valenciano AF, Timmons G et al. Longitudinal evaluation of neurologic-post acute sequelae SARS-CoV-2 infection symptoms. Ann Clin Transl Neurol. 2022 Jun 15. doi: 10.1002/acn3.51578

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/acn3.51578

Nach oben springen