Neuroinvasive Pathomechanismen von SARS-CoV-2 – ein Update

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Viele verschiedene neurologische Komplikationen und Manifestationen von COVID-19 wurden in den letzten Wochen weltweit beschrieben. Eine aktuelle Publikation aus dem Iran [1] berichtet im „Journal of Neurovirology“ erneut über den Neurotropismus von SARS-CoV-2 und gibt einen Überblick über den derzeitigen Wissensstand zu den neuroinvasiven Pathomechanismen. Daraus leiten die Autoren Implikationen für künftige Studien und Untersuchungen ab.Wie die Autoren ausführen, kann auch bei kritisch kranken COVID-19-Patienten, die einen Schlaganfall erleiden, eine Lyse mit „Tissue Plasminogen Activator” (tPA) erfolgen. Die Therapie verbesserte bei ARDS-Patienten den PaO2/FiO2-Quotienten. Unklar sei, in welcher Dosierung Antikoagulantien eingesetzt werden sollten.

Zu den neurologischen Symptomen, die im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion beschrieben werden, gehören Anosmie/Ageusie, Kopfschmerzen, Übelkeit/Erbrechen, Schwindel, Ataxie, Bewusstseinsstörungen, Desorientiertheit/Verwirrtheit, epileptische Anfälle, muskuläre Beschwerden, das Guillain-Barré-Syndrom sowie schwere Krankheitsbilder wie zerebrovaskuläre Ereignisse oder die hämorrhagische nekrotisierende Enzephalopathie. Auch wenn die exakten Vorgänge bei der Neuroinvasion teilweise noch unklar sind, werden für den Befall zentralnervöser Strukturen durch SARS-CoV-2 vier Transmissionsrouten diskutiert:

  • Dies ist zum einen nach intranasaler Inokulation der Weg von der Nasenschleimhaut über das Riechepithel und olfaktorische Neurone bzw. den Bulbus olfactorius zur Schädelbasis, zum Thalamus und dem Hirnstamm.
  • Die zweite Möglichkeit ist die Transmission über infizierte periphere Blutzellen (Monozyten, Makrophagen), die mittels Diapedese die Blut-Hirn-Schranke überwinden und das Virus direkt zu glialen und neuronalen Zellen bringen. Monozyten und Makrophagen könnten dabei Virusreservoir sein, worüber andere Organe infiziert werden können.
  • Der dritte Mechanismus ist die Virusaufnahme durch die Interaktion mit ACE2- sowie CD209L-Rezeptoren, welche unter anderem auch vom Gefäßendothel der Blut-Hirn-Schranke exprimiert werden.
  • Der vierte Weg, den die Autoren beschreiben, besteht in der transsynaptischen Weitergabe des Virus von Neuron zu Neuron via Endo-/Exozytose.

    Um weitere Erkenntnisse zu erlangen, halten die Autoren gut designte Kohortenstudien für notwendig; ebenso wichtig seien in vitro, in vivo und postmortale Analysen.

    Sepehrinezhad A, Shahbazi A, Negah SS. COVID-19 virus may have neuroinvasive potential and cause neurological complications: a perspective review. J Neurovirol.. Published: 16 May 2020.
    https://link.springer.com/article/10.1007/s13365-020-00851-2