Neuro-ophthalmologische Manifestationen bei COVID-19

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Entzündungen des Nervus opticus, Augenbewegungsstörungen und Gesichtsfelddefekte sind nur einige der vielen neuro-ophthalmologischen Manifestationen, die bei COVID-19 in Fallberichten beschrieben und jetzt in einer Übersichtsarbeit [1] zusammengetragen wurden. Die Störungen werden sowohl bei akuter SARS-CoV-2-Infektion als auch in der Erholungsphase beobachtet. Die Pathomechanismen sind noch nicht vollkommen aufgedeckt.

Dennoch scheinen sie, wie die Neurologen aus New York in ihrem Review [1] schreiben, grundsätzlich in drei Kategorien zu fallen: als postvirales inflammatorisches Syndrom, als Folge eines proinflammatorischen Zustands mit Hyperkoagulabilität und Zytokinsturm und als Resultat systemischer Veränderungen mit Hypoxie und schwerer arterieller Hypertonie. Für eine direkte Virusinvasion gibt es keine stichhaltigen Hinweise.

Als Ursache von Gesichtsfelddefekten kommen Schlaganfälle im Versorgungsbereich der posterioren Zirkulation mit Okzipitallappen-Infarkten oder ein posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES) mit transienten Symptomen infrage. Ein Patient mit PRES hatte halluzinatorische Palinopsien.

Fälle von Neuritis nervi optici wurden bei COVID-19 sowohl akut als auch in der Erholungsphase beobachtet, selten auch zusammen mit anderen neurologischen Ausfallserscheinungen im Rahmen einer akuten disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM). Zum Teil wurden bei Patienten mit Optikusneuritis auch MOG-Antikörper nachgewiesen. Es wird diskutiert, dass die SARS-CoV-2-Infektion – womöglich bei individueller Prädisposition – eine entsprechende Autoimmunreaktion auslösen kann.

Patienten, die bei Fieber und aktiver COVID-19-Erkrankung eine generalisierte oder okuläre Myasthenia gravis entwickelt hatten, zeigten Acetylcholin-Rezeptor-Antikörper. Ob hierbei eine SARS-CoV-2-getriggerte Autoimmunreaktion eine Rolle spielt oder der fieberhafte Virusinfekt eine vorbestehende Myasthenia gravis demaskiert, müssen prospektive Studien zeigen. Doppelbilder und Ptosis traten meist schon kurz nach COVID-19-Diagnose auf.

Augenmuskelparesen traten bei mehreren Patienten nach Abklingen typischer COVID-19-Symptome als Ausdruck der Miller Fisher-Variante eines Guillain-Barré-Syndroms auf. Außerdem kann ein erhöhter Hirndruck bei COVID-19-assoziierter Sinusvenenthrombose Lähmungen des sechsten Hirnnerven und ein Papillenödem hervorrufen.

Oscillopsien wurden bei mehreren Patienten im Rahmen einer Enzephalopathie nach schwerer Systembeteiligung bei COVID-19 beobachtet. Ein Patient mit einem Opsoclonus-Myoklonus-Ataxie-Syndrom sprach gut auf eine Behandlung mit Glukokortikoiden und intravenösen Immunglobulinen an.

[1] Gold DM, Galetta SL: Neuro-ophthalmologic complications of coronavirus disease 2019 (COVID-19). Neurosci Lett. 2021; 18; 742: 135531.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7687583/

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