Neumanifestationen rheumatischer Erkrankungen infolge von COVID-19

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Im Rahmen der Immundysregulation bei COVID-19 werden immer wieder Autoimmunphänomene beobachtet. Bei einer systematischen Literaturrecherche von Dezember 2019 bis September 2021 [1] haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 99 Erstmanifestationen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen im Kontext der Virusinfektion ausgemacht. Am häufigsten waren Vaskulitiden und Arthritiden.

Ein Forschungsteam aus Mexiko hat in einer systematischen Übersichtsarbeit [1] recherchiert, inwieweit im Zuge von COVID-19 sich erstmals Autoimmunerkrankungen manifestieren, welche die spezifischen Diagnose- oder Klassifikationskriterien entzündlich-rheumatischer Erkrankungen erfüllen. Auch wenn die absolute Zahl spezifischer rheumatologischer Diagnosen gering war, war ihr Spektrum breit. Am häufigsten wurden Vaskulitiden und Arthritiden erfasst, bei einigen COVID-19-Patientinnen und -Patienten auch idiopathische entzündliche Myopathien („idiopathic inflammatory myopathies“, IIM), systemischer Lupus erythematodes (SLE) und Sarkoidose. Einzelfälle von systemischer Sklerose (SSc) und adultem Morbus Still (AOSD) wurden ebenfalls beobachtet.

Eine erhöhte Aufmerksamkeit im Hinblick auf die klinischen und laborchemischen Zeichen dieser Erkrankungen erlaubt eine frühzeitige Diagnose und Therapie. Die Behandlung erfolgt in der Regel so wie bei nicht an COVID-19 Erkrankten.

Unter den Erstmanifestationen von Vaskulitiden beobachteten die Forscherinnen und Forscher Entzündungen kleiner, mittlerer und großer Gefäße, wobei letztere am seltensten betroffen waren. Mit elf Fällen am häufigsten war eine dem Kawasaki-Syndrom ähnliche Erkrankung, die sich zum Teil etwas vom klassischen Kawasaki-Syndrom unterscheidet und womöglich eher dem Spektrum eines Multiinflammationssyndroms (MIS) zuzuordnen ist. Verglichen mit historischen Kohorten aus Prä-Pandemie-Zeiten waren die Patienten und Patientinnen mit COVID-19-assoziiertem Kawasaki-Syndrom oft älter, hatten häufiger die kardiale Beteiligung in Form einer Myokarditis und in bis zu 50% Zeichen eines Kawasaki-Disease-Schock-Syndroms (KDSS). Es gibt auch Hinweise auf eine Beteiligung unterschiedlicher T-Zell-Typen und Zytokine. Gleichwohl werden für COVID-19-Betroffene, die die Kriterien für ein Kawasaki-Syndrom erfüllen, ebenso wie bei der klassischen Erkrankung intravenöse Immunglobuline als Therapie der Wahl empfohlen.

Unter den elf Fällen mit ANCA (anti-Neutrophilen zytoplasmatische Antikörper)-assoziierten Vaskulitiden wurden alle Phänotypen außer der eosinophilen Granulomatose mit Polyangiitis beobachtet. Lungen- und Nierenbeteiligung standen im Vordergrund. Mögliche erste laborchemische Hinweise sind auffällige Erythrozyten oder Erythrozytenzylinder im Urinsediment.

Unter den beobachteten, primär gelenkbezogenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen fanden sich 17 reaktive Arthritiden, sechs Fälle einer rheumatoiden Arthritis und neun mit axialer oder peripherer Spondylarthritis. Erstmanifestationen von IIM wurden bei neun Personen, ein SLE bei sechs beobachtet. Offen bleibt, ob die Virusinfektion zur klinischen Erstsymptomatik bei subklinisch vorbestehender rheumatischer Krankheit oder tatsächlich zu einem para-/postinfektiösen Neuauftreten führt. Um mehr über den natürlichen Verlauf entzündlich-rheumatischer Erkrankungen nach COVID-19 zu erfahren, sind Langzeitbeobachtungen nötig.

[1] Gracia-Ramos AE, Martin-Nares E, Hernández-Molina G: New Onset of Autoimmune Diseases Following COVID-19 Diagnosis. Cells. 2021 Dec 20;10(12):3592.

https://www.mdpi.com/2073-4409/10/12/3592

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