Neues Review zu Bildgebungsbefunden bei neurologischen und neuroophthalmologischen COVID-19-Komplikationen

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Im Zuge der COVID-19-Pandemie wurde immer wieder über akute und chronische neurologische und neuroophthalmologische Komplikationen berichtet, die auch mit relevanten pathologischen Befunden in der Bildgebung einhergehen können. Ein Team der Radiologie und der Augenheilkunde an der Harvard Medical School und der Neuroradiologie am University of Pennsylvania Medical Center hat die aktualisierte Datenlage hierzu in einem Literatur-Review zusammengefasst [1].

US-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus Boston und Philadelphia haben die bisherigen Publikationen zu neuroradiologischen Befunden bei neurologischen und neuroophthalmologischen Komplikationen von COVID-19 gesichtet und in einem Übersichtsartikel nach Erkrankungen mit Bezug zum afferenten beziehungsweise efferenten visuellen System sortiert [1].

Zu den COVID-19-assoziierten Erkrankungen mit relevanten Bildgebungsbefunden im Bereich der afferenten visuellen Signalwege gehören unter anderem Knoten am Augenhintergrund in der Magnetresonanztomographie (MRT), Papillenödeme und Pseudotumor cerebri, Optikusneuritis, akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM), Gefäßschädigungen mit Thromboembolien und Infarkten, Leukenzephalopathien, hypoxische Schädigungen der grauen Hirnsubstanz, Blutungen, infektiöse Meningitis oder Enzephalitis, akute nekrotisierende hämorrhagische Enzephalopathie und posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES).

Im Bereich der efferenten visuellen Signalwege fielen in der Bildgebung Veränderungen der Hirnnerven, bei Guillain-Barré- und Miller-Fisher-Syndrom sowie der Befund einer Rhombenzephalitis mit Nystagmus und andere Motilitätsstörungen der Augen auf.

Während infektiöse Meningitiden und Enzephalitiden allenfalls eine untypische Präsentation von COVID-19 sind, haben sich Mikroblutungen in der suszeptibilitätsgewichteten MRT-Bildgebung (SWI) als recht charakteristischer MRT-Befund bei schwer kranken COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit neurologischen Defiziten erwiesen. Sie werden auf mikrovaskuläre Schädigungen zurückgeführt.

Die Leukenzephalopathie bei schwer kranken SARS-CoV-2-Infizierten zeichnet sich durch konfluierende, symmetrische Hyperintensitäten tief in der weißen Substanz aus. Die juxtakortikalen Regionen bleiben dabei ausgespart.

Sich mit den vielfältigen Manifestationen vertraut zu machen, kann nicht nur die Diagnostik und Patientenversorgung verbessern, sondern auch einen Beitrag dazu leisten, grundlegende Pathomechanismen von COVID-19 besser zu verstehen.

Im Journal Club COVID-19 der DGN haben wir wiederholt über neuroradiologische Befunde bei COVID-19 berichtet [2-10] und dabei auch einige der im aktuellen Review berücksichtigten Studien, Fallberichte und Fallserien im Einzelnen vorgestellt.

[1] Marsiglia M, Chwalisz BK, Maher M. Neuroradiologic Imaging of Neurologic and Neuro-Ophthalmic Complications of Coronavirus-19 Infection. J Neuroophthalmol. 2021 Dec 1;41(4):452-460.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8582975

[2]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/uebersicht-ueber-ct-und-mrt-befunde-bei-neuro-covid

[3]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/bildgebung-unterstuetzt-diagnostik-von-covid-19-komplikationen-an-nerven-bewegungsorganen-und-weichteilen

[4]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/bildgebung-bei-neuro-covid-schlaganfaelle-vor-allem-bei-schwerkranken-covid-19-patienten

[5]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/nachweis-von-mikrovaskulaeren-laesionen-in-gehirnen-von-covid-19-patienten

[6]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/zerebrale-mikroblutungen-und-leukenzephalopathien-bei-fast-einem-drittel-der-hospitalisierten-covid-19-patienten

[7]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/neuroradiologische-befunde-bei-hospitalisierten-covid-19-patienten

[8]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/zerebrale-bildgebung-bei-langzeitbeatmeten-schwer-kranken-covid-19-patienten

[9]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/bildmorphologische-veraenderungen-der-sehbahn-bei-schwerer-covid-19-erkrankung

[10]

https://dgn.org/neuronews/journal_club/mrt-weist-netzhautveraenderungen-bei-covid-19-nach

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