Neue Daten zu Neuro-COVID belegen schlechte Prognose bei akuten zerebrovaskulären Ereignissen

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Neuro-COVID-Manifestationen und ihr Outcome stehen im Zentrum zweier aktueller Publikationen. Nach Auswertung von Registerdaten von 19 deutschen Intensivstationen beträgt die Prävalenz neurologischer Manifestationen bei kritisch kranken COVID-19-Patientinnen und -Patienten 12,7%. Am häufigsten waren Enzephalopathien, zerebrovaskuläre und neuromuskuläre Erkrankungen mit 46,2%, 41% und 20,4%. Die schlechte Prognose, gerade bei zerebrovaskulären Ereignissen, bestätigte sich auch in einer internationalen Metaanalyse zu Hospitalisierungen in der ersten Pandemiewelle.

Bei hospitalisierten und vor allem bei intensivpflichtigen COVID-19-Infizierten ist es sinnvoll, aktiv nach neurologischen Manifestationen zu suchen und die Betroffenen entsprechend zu behandeln. Dazu raten auch die Autorinnen und Autoren der gerade veröffentlichten Registerstudie PANDEMIC („Pooled Analysis of Neurologic DisordErs Manifesting in Intensive care of COVID-19“) [1]. Um angesichts stark voneinander abweichender und meist retrospektiv erhobener Daten mehr über Prävalenz, Risikofaktoren und die prognostische Bedeutung neurologischer COVID-19-Manifestationen bei kritisch Kranken herauszufinden, wurden hier prospektiv Daten von Menschen ausgewertet, die zwischen April 2020 und September 2021 mit COVID-19 auf 19 Intensivstationen in Deutschland behandelt worden waren; 70,7% waren Männer, das mittlere Alter lag bei 65,3 Jahren. Bei 350 der insgesamt 2.681 Personen manifestierten sich neue neurologische Erkrankungen. Delir, akuter ischämischer Schlaganfall, intrazerebrale Blutung sowie Critical-Illness-Polyneuropathie und Critical-Illness-Myopathie waren die häufigsten Diagnosen. Über zwei Drittel der Überlebenden waren bei Entlassung aus der Klinik in einem schlechten funktionellen Zustand. Ihr Wert auf der modifizierten Rankin-Skala (mRS) lag bei 3 bis 5. Hirnblutungen erhöhten das Risiko für ein schlechtes Outcome um den Faktor 6,2 und akute ischämische Schlaganfälle um 3,9. Insgesamt 36% starben im Laufe des Krankenhausaufenthalts. Das Alter war ein wesentlicher Risikofaktor für die Mortalität.

Da nur bei drei von insgesamt 35 Liquoranalysen der Betroffenen die PCR auf SARS-CoV-2 positiv war, werden die neurologischen Manifestationen eher nicht auf einen Virusbefall des zentralen Nervensystems zurückgeführt. Vielmehr gehen die Autoren davon aus, dass es sich größtenteils um para- und postinfektiöse Manifestationen und Folgen der kritischen Erkrankung handelt.

Etwas breiter angelegt ist eine Metaanalyse, die auf Basis standardisierter Falldefinitionen internationale Individualdaten von fast 2.000 Personen aus der ersten Pandemiewelle ausgewertet hat [2]. Hier waren hospitalisierte COVID-19-Patienten und -Patientinnen mit akuten neurologischen Manifestationen eingeschlossen. Unter den 83 berücksichtigten Studien waren auch 31 bis dahin unveröffentlichte. Mit 49% und 26% waren Enzephalopathien und zerebrovaskuläre Ereignisse ebenfalls die häufigsten Diagnosen. Bei zerebrovaskulären Ereignissen hatten 76% der Betroffenen ein schlechtes Outcome mit einem mRS-Wert von 3-6. Anderes als bei Menschen mit Enzephalopathie gehörten bei denen mit zerebrovaskulären Ereignissen Atemnot bei Aufnahme und erhöhte D-Dimere zu den Risikofaktoren für einen ungünstigen Verlauf. Insgesamt waren 38% intensivpflichtig, die 30-Tage-Mortalität betrug 30%. Dabei war das Sterberisiko in Europa vergleichsweise geringer als in anderen Weltregionen.

[1] Dimitriadis K, Meis J, Neugebauer H et al. Neurologic manifestations of COVID-19 in critically ill patients: results of the prospective multicenter registry PANDEMIC. Crit Care. 2022 Jul 16;26(1):217.

https://ccforum.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13054-022-04080-3

[2] Singh B, Lant S, Cividini S et al. Prognostic indicators and outcomes of hospitalised COVID-19 patients with neurological disease: An individual patient data meta-analysis. PLoS One. 2022 Jun 2;17(6):e0263595.

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0263595

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