Naltrexon als mögliche Option bei Post-COVID-19?

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In einer einfachen Vorher-Nachher-Studie mit entsprechend begrenzter Aussagekraft hat ein Forschungsteam der Universität Dublin niedrig-dosiertes Naltrexon bei 52 Menschen mit Post-COVID-19-Syndrom (PCS) erprobt, vor allem, um erste Daten zur Sicherheit zu gewinnen. Diese scheint gegeben, nur zwei Patientinnen und Patienten brachen die Behandlung wegen neu aufgetretener Durchfälle ab und berichteten über zunehmende Fatigue. Dafür besserten sich insgesamt sechs von sieben mittels Fragebögen erfasster Symptome unter der Behandlung signifikant.

Bislang hat sich beim Post-COVID-19-Syndrom keine medikamentöse Therapie als nützlich erwiesen. Dem in Dosierungen von 50 mg als Opiatrezeptorantagonist verwendeten Naltrexon werden in niedrigen Dosierungen von 1-4,5 mg immunmodulatorische Wirkungen zugesprochen. Womöglich wirkt die Substanz antagonistisch auf den Opioid-Wachstumsfaktor-Rezeptor (OGFr), hemmt über Toll-Like-Rezeptor-4 vermittelte Entzündungssignalwege, moduliert Makrophagen und Mikroglia, hemmt T- und B-Lymphozyten oder wirkt über noch unbekannte Wege. Da positive Effekte bei chronischem Müdigkeitssyndrom, Fibromyalgie, komplexem regionalen Schmerzsyndrom und Multipler Sklerose beschrieben wurden, haben Forscherinnen und Forscher aus Irland jetzt in einer kleinen, offenen, unkontrollierten Studie das Medikament bei 52 Patienten und Patientinnen mit Post-Covid-Syndrom eingesetzt [1].

Die Anfangsdosis von 1 mg/d wurde über den Studienzeitraum von zwei Monaten monatlich um 1 mg/d erhöht. Am Anfang und am Ende machten die Teilnehmenden anhand eines Fragebogens mit abgestuften Antwortmöglichkeiten (Likert-Skalen) Angaben zur Ausprägung von Schlaf, Konzentration, Schmerzen/Unbehagen, Stimmung, Energielevel, Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und dazu, wie sie ihre Erholung von COVID-19 insgesamt einschätzten. Rund 80% der Kohorte waren Frauen, das mediane Alter betrug 43,5 Jahre, fast 35% arbeiteten im Gesundheitswesen. Die häufigsten Komorbiditäten waren Bluthochdruck und Dyslipidämie bei jeweils knapp 10%. Symptome bestanden im Median seit 333 Tagen.

Wie die Behandelnden berichten, begannen 73,1% der Teilnehmenden die niedrig-dosierte Naltrexon-Therapie, 5,3% davon beendeten sie wegen Diarrhoen. Abgesehen von der Stimmung, wo die Verbesserung statistisch weniger stark ausgeprägt war, kam es bei allen anderen erfragten Merkmalen zu einer signifikanten Verbesserung. Am deutlichsten wurden Schmerzen beeinflusst. Das legt nach Einschätzung der Forscher und Forscherinnen nahe, dass Post-COVID-Schmerzen zentralnervös vermittelt werden. Insgesamt hat die Studie viele Limitationen und lässt keine verlässliche Schlussfolgerung zu. Größere und vor allem kontrollierte und randomisierte Folgeuntersuchungen sind erforderlich, um die Wirksamkeit der Substanz zu belegen.

[1] O'Kelly B, Vidal L, McHugh T et al. Safety and efficacy of low dose naltrexone in a long covid cohort; an interventional pre-post study. Brain Behav Immun Health. 2022 Oct; 24:100485.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666354622000758

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