Nachweis von zirkulierendem Spike-Antigen bei Long-COVID

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Eine retrospektive Analyse von Plasmaproben einer kleinen Kohorte von COVID-19- und Long-COVID-Erkrankten konnte bei Long-COVID bis zu zwölf Monate nach der akuten Erkrankung Spike-Protein (seltener auch andere Antigene) von SARS-CoV-2 nachweisen. Eine Assoziation zum Schweregrad der akuten Erkrankung bestand nicht. Die Autorengruppe wertet die Ergebnisse als möglichen Hinweis auf eine Viruspersistenz.

Die Diagnostik von Long-COVID bzw. PASC („post-acute sequelae of COVID-19”) stellt nach wie vor eine Herausforderung dar. Eine retrospektive Studie [1] versuchte daher, PASC-assoziierte Biomarker zu identifizieren. Quantifiziert wurden dazu inflammatorische Marker und Zytokinspiegel (IFN-γ, IL-1β, IL-4, IL-5, IL-6, IL-8, IL-10, IL-12p70, IL-22, TNF-⍺) sowie Virusantigene in Plasmaproben von 63 COVID-19-Patientinnen und -Patienten. 37/63 hatten ein PASC entwickelt; 30/37 waren weiblich.

Es zeigte sich, dass bei der Mehrzahl der PASC-Betroffenen (65%) bis zu zwölf Monate nach der Infektion noch Virusantigene nachweisbar waren (in erster Linie zirkulierendes Spike-Protein bei 60%, aber auch S1-Antigen oder Nukleokapsid). Bei COVID-19-Erkrankten ohne Spätsymptome war dies nicht der Fall. PASC-Betroffene, die an kardiovaskulären, Augen-, HNO- oder muskuloskelettalen Symptomen litten, hatten zu 70% einen positiven Antigennachweis. Nur zwei Personen aus der PASC-Kohorte waren hospitalisiert gewesen, was nach Ansicht der Autorinnen und Autoren darauf hindeutet, dass keine Assoziation mit der Krankheitsschwere besteht.

Der Nachweis von Spike-Protein bei PRSC-Betroffenen noch Monate nach der akuten Erkrankung könnte nach Ansicht der Publizierenden für eine Viruspersistenz im Körper sprechen. Ein Beweis sei dies aber nicht, denn die Befunde müssten zunächst weiter validiert werden.

Temporäre Fluktuationen der Antigenspiegel bei manchen Betroffenen unterstreichen die Bedeutung eines longitudinalen Monitorings. Weitere prospektive Studien mit optimal gematchten Kohorten und definierten Probeentnahmezeiten seien nun notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen und zu evaluieren, ob Spike-Protein einen geeigneten Biomarker darstellen könnte.

[1] Swank Z, Senussi Y, Manickas-Hill Z et al. Persistent circulating SARS-CoV-2 spike is associated with post-acute COVID-19 sequelae. Clin Infect Dis 2022 Sep 2:ciac722

https://academic.oup.com/cid/advance-article/doi/10.1093/cid/ciac722/6686531?login=false

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