Nach überstandener COVID-19-Erkrankung ist das Schlaganfallrisiko um über 50% erhöht

© iStock/Ildar Imashev

Nach den Ergebnissen einer großen US-Studie [1] müssen sich die Gesundheitssysteme der Welt im Nachgang der COVID-19-Pandemie darauf einstellen, eine große Zahl von Menschen mit kardiovaskulären Folgeerkrankungen der SARS-CoV-2-Infektion zu behandeln. Bei Nachbeobachtung einer Kohorte von 153.760 COVID-19-Betroffenen über ein Jahr war das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen im Vergleich zu über elf Millionen Kontrollpersonen erhöht und umfasste ein breites Spektrum von Manifestationen.

Kardiovaskuläre Komplikationen einer SARS-CoV-2-Infektion beschränken sich keineswegs auf die Akutphase der Erkrankung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA konnten jetzt in einer Studie [1] belegen, dass Menschen mit COVID-19, die die ersten dreißig Tage überleben, im ersten Jahr nach der Infektion ein erhöhtes Risiko für ein breites Spektrum kardiovaskulärer Krankheitsbilder haben. Diese vorab festgelegten Komplikationen umfassen unter anderem zerebrovaskuläre und thromboembolische Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen, ischämische und nicht-ischämische Herzerkrankungen, Peri- und Myokarditis sowie Herzinsuffizienz. Ein erhöhtes Risiko bestand dabei auch bei nicht-hospitalisierten Patientinnen und Patienten. Allerdings nahm das Risiko von nicht-hospitalisierten über hospitalisierte bis zu den intensivmedizinisch behandelten Kranken zu.
Die Daten stammen aus der nationalen Gesundheits-Datenbank des US Department of Veterans Affairs. Die jeweils fast sechs Millionen Kontrollpersonen stammten aus einer zeitgleichen und einer historischen Kohorte vor der Pandemie. Somit wurden insgesamt über zwölf Millionen Personenjahre Beobachtungszeit erfasst und es war statistisch möglich, eine kausale Abhängigkeit der Ereignisse von COVID-19 nachzuvollziehen.

So war das Schlaganfall-Risiko um 52% und das Risiko für eine transitorische ischämische Attacke (TIA) um 49% erhöht. Die jeweilige Hazard ratio (HR) betrug nach zwölf Monaten 4,03 und 1,84 auf 1000 Personen. Bei Rhythmusstörungen lagen die Zahlen für Vorhofflimmern allein bei 10,74 und insgesamt bei 19,86. Die HR für Perikarditis betrug 1,85, für Myokarditis 5,38 und für ischämische Herzerkrankungen 7,28 nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion. Zu den erfassten thromboembolischen Erkrankungen zählten Lungenembolie (HR = 2,93) und tiefe Beinvenenthrombose (HR = 2,09).

Die kardiovaskulären Risiken bestanden unabhängig von Alter, Ethnie, Geschlecht und anderen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes mellitus und ließen sich auch bei Menschen mit einem niedrigen kardiovaskulären Risiko nachweisen. Entsprechend wichtig wird es sein, grundsätzlich in der COVID-19-Nachsorge besonderes Augenmerk auf Herz-Kreislauferkrankungen zu legen.

[1] Xie Y, Xu E, Bowe B et al.: Long-term cardiovascular outcomes of COVID-19. Nat Med (2022).

https://doi.org/10.1038/s41591-022-01689-3

Nach oben springen