Nach SARS-CoV-2-Infektion genügt womöglich eine einzelne mRNA-Impfdosis

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Untersuchungen der Impfantwort auf die COVID-19-Vakzine von Pfizer/BioNTech legen nahe, dass Menschen, die bereits eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, möglicherweise mit einer einzelnen Impfdosis ausreichend geschützt sind. In einer US-amerikanischen Studie [1] waren die Spiegel Spike-Protein-spezifischer IgG-Antikörper und die anhand der Hemmung im ACE-Bindungstest abgeschätzte Neutralisationskapazität nach durchgemachter Infektion nach einer Einzel-Dosis ähnlich hoch wie nach zwei Dosen bei Menschen ohne vorherige Infektion.

Mit einem mittleren Alter von 42 Jahren, darunter 61% Frauen, die die Pfizer/BioNTech-Vakzine BNT162b2 erhielten, lagen für die Studie [1] von 981, darunter 78 mit bereits durchgemachter Infektion, Ausgangswerte zu Antikörpertitern vor. Sie wurden vor bis spätestens drei Tage nach Erstimpfung untersucht. Um dabei eine stattgehabte Infektion von einer frühen Impfantwort unterscheiden zu können, wurden auch nucleoproteinspezifische IgG (IgG(N)) bestimmt. Diese sind nach Impfung mit BNT162b2 nicht zu erwarten, da der Impfstoff nur mRNA enthält, die für das Spike Protein kodiert. Somit generiert die Impfung im Gegensatz zur Infektion, die beides hervorruft, nur eine Spike-spezifische Immunantwort mit IgG(S-RBD) (Spike-Receptor Binding Domain).

Weitere Antikörpertests erfolgten 7-21 Tage nach der ersten Impfdosis bei 525 Studienteilnehmern, darunter 35 mit vorangegangener SARS-CoV-2-Infektion, und 7-21 Tage nach der zweiten Dosis bei insgesamt 217 Teilnehmern einschließlich zehn zuvor Infizierten.

Ehemals SARS-CoV-2-Infizierte hatten zu allen Zeitpunkten signifikant höhere Antikörpertiter als nicht Infizierte. Im Vergleich zu den Spiegeln zuvor nicht Infizierter nach der ersten Impfung waren die IgG(S-RBD)-Ausgangswerte zwar niedriger. Nach der ersten Impfung unterschied sich ihre Impfantwort aber nicht mehr von der nicht Infizierter nach der zweiten Dosis. Um die Bildung neutralisierender Antikörper abschätzen zu können, wurde als Surrogatmarker die Hemmung der Bindung an den ACE-Rezeptor in einem Testsystem untersucht. Sie war nach der ersten Impfung bei zuvor infizierten Individuen mit 94% signifikant stärker als bei denen ohne vorherige SARS-CoV-2-Infektion mit nur 37%. Nach der zweiten Impfung ergaben sich aber keine Unterschiede zwischen den Gruppen mehr. Nicht Infizierte erreichten dann 98%, ähnlich wie zuvor Infizierte bereits nach der ersten Impfung.

Unerwünschte Impfreaktionen nach der ersten Dosis hatten mit 37% gegenüber 25% mehr Menschen mit vorangegangener Infektion. Nach der zweiten Dosis waren es mit 51% und 5 % in beiden Gruppen etwa gleich viele. Zuvor Infizierte hatten nach der ersten Dosis häufiger Fieber und Schüttelfrost. Nicht Infizierte klagten nach der zweiten Dosis vor allem über Kopfschmerzen und Schwindel. Die Ergebnisse müssen zunächst in weiteren Studien evaluiert werden. Diese sollten auch über den 21-Tage-Zeitraum nach der zweiten Impfung hinausgehen und gegebenenfalls auch T-Zell-Antworten berücksichtigen.

[1] Ebinger JE, Fert-Bober J, Printsev I et al. Antibody responses to the BNT162b2 mRNA vaccine in individuals previously infected with SARS-CoV-2. Nat Med. Published: 01 April 2021

https://www.nature.com/articles/s41591-021-01325-6

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