Nach durchgemachter VITT kein erhöhtes Risiko einer anti-PF4-Antikörperbildung bei COVID-19-Infektion

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Trotz ermutigender in-vitro-Daten, die keine Verbindung zwischen der Antikörperbildung gegen SARS-CoV-2-Spike-Protein und Plättchenfaktor 4 (PF4) nahelegten, bestand die Sorge, dass COVID-19 bei Menschen, die nach SARS-CoV-2-Impfung eine Vakzine-induzierte immunogene thrombotische Thrombozytopenie (VITT) durchgemacht hatten, erneut anti-PF4-Antikörper oder entsprechende Komplikationen triggern könnte. Aktuelle in-vivo-Daten bestätigen nun, dass diese Sorge unbegründet ist.

VITT ist eine mögliche ernste Nebenwirkung von COVID-19-Impfung mit Vektor-basierter Vakzinen, welche vor allem mit Sinus- und Hirnvenenthrombosen einhergeht. Pathogenetisch spielt die Bildung von anti-PF4-Antikörpern eine Rolle, die vereinzelt auch bei akuter COVID-19-Infektion beobachtet wurden. Entgegen entsprechenden Befürchtungen scheint COVID-19 aber keine neuerliche Bildung von anti-PF4-Antikörpern nach stattgehabter VITT zu stimulieren und auch nicht zu Rezidiven einer Thrombozytopenie oder erneuten oder erstmaligen Thrombosen zu führen. Das berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Universität Greifswald und der McMaster Universität in Hamilton, Kanada. Untersucht wurde eine Kohorte von 69 Menschen mit VITT-Anamnese nach Impfung mit einer COVID-19-Vektorvakzine [1]. Aus diesem Kollektiv wurden 24 nicht erneut gegen SARS-COV-2 geimpft; 45 erhielten weitere Impfungen mit mRNA-Vakzinen, davon 31 eine zweite und 14 eine dritte Dosis. Die Folgeimpfungen wurden gut vertragen.

Von denen, die nur einmalig mit der Vektor-Vakzine geimpft worden waren, erkrankten mit 29% gegenüber 9% deutlich mehr im Verlauf an COVID-19 als unter den mehrfach Geimpften. Dies spricht nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren dafür, trotz vorheriger VITT weiter zu impfen, und zwar mit einer mRNA-Vakzine.

Im Median zwei Wochen nach der SARS-CoV-2-Infektion wurde in der Studie das Blut untersucht. Dabei wurden keine wesentlichen Anstiege der PF4-Antikörper verzeichnet. Wiederholte Messungen zeigten bei den meisten Patientinnen und Patienten sogar niedrigere Werte als in der letzten Probe vor COVID-19-Beginn. Das spiegelt den natürlichen Rückgang der PF4-Antikörper wider. Die Befunde decken sich auch mit denen aus einer früheren Studie [2], bei der in vitro keine Kreuzreaktion gegen PF4 und das SARS-CoV-2-Spike-Protein nachgewiesen werden konnte.

[1] Schönborn L, Seck SE, Thiele T et al. SARS-CoV-2 Infection in Patients with a History of VITT. N Engl J Med. 2022 Jun 27. doi: 10.1056/NEJMc2206601

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2206601

[2] Greinacher A, Selleng K, Mayerle J et al. Anti-platelet factor 4 antibodies causing VITT do not cross-react with SARS-CoV-2 spike protein. Blood 2021; 138: 1269-77

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8294553

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