Myokarditiden nach COVID-19-Impfung

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Retrospektiv wurden Myokarditis-Fälle ausgewertet, die innerhalb des amerikanischen „Military Health System“ nach der Gabe von SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoffen aufgetreten waren. Bei insgesamt ungefähr 2,8 Millionen Impfdosen wurden 23 Betroffene identifiziert, bei denen nach Ausschluss anderer Ursachen die Diagnose einer hypersensitiven Myokarditis gestellt wurde. Schwere Verläufe gab es dabei nicht.

Im Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Impfungen wurden Myokarditiden beschrieben, es ist jedoch nicht abschließend gesichert, dass es sich tatsächlich um Komplikationen der Impfungen handelt.

Diese Studie untersuchte nun retrospektiv entsprechende Fallberichte innerhalb des amerikanischen „Military Health System“ (MHS). Analysiert wurden Daten von insgesamt 23 betroffenen Männern (22 aktiv im Militärdienst) mit einem medianen Alter von 25 Jahren (20 bis 51). Vor der Impfung waren alle gesund und in einem guten körperlichen Trainingszustand. Die Impfung war mit mRNA-Vakzinen erfolgt (BioNTech oder Moderna).

Innerhalb von vier Tagen nach der ersten Dosis klagten die ersten Patienten über Brust- bzw. Herzschmerzen; 20 Patienten hatten einen Symptombeginn nach der zweiten Dosis. Alle Patienten hatten signifikant erhöhte Troponin-Spiegel, weitere Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf spezifische Ursachen wie akute Infektionen, ischämische Schäden oder eine Autoimmunerkrankung. In acht Fällen erfolgte eine kardiale MRT-Untersuchung während der akuten Phase, alle zeigten Befunde, die mit einer hypersensitiven (Medikamenten- bzw. Vakzine-assoziierten) Myokarditis vereinbar waren, wie sie auch nach Varizellen-Impfung beschrieben sind. Unter einer kurzzeitigen Supportivtherapie erholten sich die meisten Patienten innerhalb von einer Woche.

Insgesamt waren vom MHS-Sanitätsdienst über 2,8 Millionen mRNA-Impfdosen verabreicht worden. Die Zahl der Myokarditis-Fälle war klein, dennoch war die Zahl höher, als bei Männern dieser Altersgruppe zu erwarten gewesen wäre. Die Autoren und Autorinnen schlussfolgern, dass weiterhin eine Überwachung und Evaluierung solcher unerwünschten Ereignisse erfolgen sollte. Das Risiko dieser seltenen Komplikation müsse außerdem immer im Kontext möglicher COVID-19-Komplikationen gesehen werden. So gebe es im kardialen MRT Hinweise auf eine Myokarditis bei fast 1% von zuvor gesunden Sportlern mit milden COVID-19-Verläufen.

Montgomery J, Ryan M, Engler R et al. Myocarditis Following Immunization With mRNA COVID-19 Vaccines in Members of the US Military. JAMA Cardiol 2021 Jun 29. doi: 10.1001/jamacardio.2021.2833.

https://jamanetwork.com/journals/jamacardiology/fullarticle/2781601