MTX und TNF-Inhibitoren schwächen Impfantwort auch längerfristig

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Insbesondere Menschen mit therapiebedürftigen immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen sollten zusätzliche Booster-Impfungen gegen COVID-19 erhalten. Besonders, wenn sie mit Methotrexat (MTX) oder einer Kombination von Tumor-Nekrose-Faktor-alpha-Inhibitoren (TNFi) und MTX behandelt werden. Das schließt ein New Yorker Team von Forscherinnen und Forschern aus Verlaufsbeobachtungen der humoralen Impfantwort über sechs Monate [1].

Dass die Impfantwort auf eine Vakzinierung gegen SARS-CoV-2 bei Menschen mit therapiebedürftigen immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen (Immune-Mediated Inflammatory Diseases, IMID) initial vermindert ist, wusste man schon. An der Universität von New York wurden jetzt Blutproben von 245 Personen mit IMID und 27 gesunden Kontrollen aus der SAGA-Kohorte (Serologic Testing and Genomic Analysis of Autoimmune, Immune-Mediated, and Rheumatic Patients with COVID-19) vier Wochen, drei Monate und sechs Monate nach erster Impfung auf SARS-CoV-2-Spike-Protein-spezifische Antikörper und deren Neutralisationskapazität untersucht [1]. Dabei zeigte sich eine deutliche Abhängigkeit von der Art der Medikamenteneinnahme: MTX beeinträchtigte das Impfansprechen vor allem in der frühen Phase, insbesondere dann, wenn es um den Zeitpunkt der Impfung nicht pausiert wurde. Entgegen den meisten vorangegangenen Studien wurde aber auch eine verringerte Immunogenität unter TNFi beobachtet, besonders in Kombination mit MTX. Sie machte sich allerdings erst nach sechs Monaten bemerkbar.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beider Gruppen ähnelten sich in Alter, Geschlecht und bezüglich etwaig vorangegangener SARS-CoV-2-Infektionen. Häufigste Diagnosen waren Psoriasisarthritis, Rheumatoide Arthritis und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Abgesehen von sieben IMID-Patienten, die die Vektorvakzine NJN-78436735 (Johnson & Johnson) erhalten hatten, bekamen alle anderen zweimal einen mRNA-Impfstoff.

Zu den vorgegebenen Zeitpunkten erreichten 96%, 100% und 65% der gesunden Kontrollen eine adäquate humorale Impfantwort mit anti-Spike-IgG ≥5000 RU/ml. Bei den IMID-Patientinnen und -Patienten waren es 88%, 89% und 65%. Somit nahm in beiden Gruppen das Impfansprechen zwischen Monat 3 und 6 signifikant ab. Während im ersten Monat Gesunde und Menschen mit IMID, die kein MTX erhielten, mit 93 % gut auf die Impfung ansprachen, waren dies bei den IMID-Betroffenen mit MTX-Therapie mit 79% signifikant weniger. Numerisch sprachen mit MTX Behandelte auch zu den anderen Zeitpunkten schlechter auf die Impfung an. Mindestens eine MTX-Dosis vor Impfung wegzulassen, erhöhte die Wahrscheinlichkeit für eine adäquate Immunantwort gegenüber Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit ununterbrochener MTX-Therapie zu den verschiedenen Zeitpunkten auf das 3,5-, 8,33- und 5,6-Fache. Die MTX-Dosis spielte dabei keine Rolle. Während Patientinnen und Patienten unter TNFi zu Woche 4 sowie in Monat 3 eine ähnliche Ansprechrate aufwiesen wie Gesunde, war ihr Ansprechen zu Monat 6 mit 45% tendenziell geringer als bei IMID-Betroffenen unter anderen Therapien. Am schlechtesten war das Ansprechen bis Monat 6 unter einer Kombination aus TNFi und MTX: Es betrug gerade einmal 35% und war damit sogar schlechter als bei allen mit MTX Behandelten insgesamt.

[1] Haberman RH, Um S, Axelrad JE et al. Methotrexate and TNF inhibitors affect long-term immunogenicity to COVID-19 vaccination in patients with immune-mediated inflammatory disease. Lancet Rheumatol. 2022 Apr 1.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8975261/pdf/main.pdf

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