Mehr als die Hälfte aller COVID-19-Patientinnen und Patienten zeigen im Verlauf Befunde einer peripheren Neuropathie oder Myopathie

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Nach Daten einer ägyptischen Studie [1] lagen periphere Neuropathien und Myopathien im Anschluss an COVID-19 bei rund 56% aller COVID-19-Betroffenen vor, wobei längst nicht alle auch klinische Symptome aufweisen. Risikofaktoren für neuromuskuläre Folgen scheinen eine lange Hospitalisation sowie schwere und langanhaltende Atemwegssymptome zu sein.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Ägypten haben 400 Patientinnen und Patienten post-COVID klinisch, laborchemisch und elektrophysiologisch nachuntersucht und Daten zur Prävalenz sowie zu Risikofaktoren für neuromuskuläre Folgeerkrankungen erhoben [1]. Von den Betroffenen berichteten 210 typische Neuropathie- oder Myopathie-Symptome, die übrigen waren asymptomatisch. Als Vergleichsgruppe dienten 30 gesunde Freiwillige ohne vorangegangene SARS-CoV-2-Infektion. Hinsichtlich Alter und Geschlecht unterschieden sich die Gruppen nicht signifikant.

Die Tests erfolgten im Median 92 und 87 Tage nach der akuten COVID-19-Erkrankung. In der symptomatischen Gruppe hatten 57,2% periphere Neuropathien und 24% Myopathien, unter den asymptomatischen war das Verhältnis 21% Neuropathien und 7,8% Myopathien. In der Kontrollgruppe kam beides nicht vor.

Pathologisch erhöhte Werte für Kreatinphosphokinase (CPK) im Serum sowie pathologische elektrophysiologische Befunde waren bei symptomatischen Post-COVID-19-Patientinnen und -Patienten deutlich stärker ausgeprägt als bei asymptomatischen. So lagen die CPK-Spiegel in der Gruppe mit Symptomen im Mittel bei 754 µg/ml, bei den asymptomatischen Betroffenen bei 221µg/ml und in der Kontrollgruppe bei 93 µg/ml. Klinisch war die Kontrollgruppe unauffällig, während beispielsweise verminderte oder fehlende Achillessehnenreflexe bei 22% in der symptomatischen und 5% in der asymptomatischen Gruppe beobachtet wurden. Verglichen mit Kontrollpersonen hatten Menschen post-COVID-19 signifikant häufiger auffällige Befunde bei Untersuchungen der Nervenleitgeschwindigkeit und Elektromyografie mit höheren Raten sensomotorischer demyelinisierender und axonaler Polyneuropathien, vermehrter Insertionsaktivität an der Muskulatur mit verminderten Amplituden und längerer Dauer der Muskelaktionspotenziale.

Insgesamt 42% der Betroffenen mit Neuropathie- oder Myopathiesymptomen waren hospitalisiert gewesen, 22,3% hatten schwere Atemwegssymptome und 15,2% Atemwegssymptome über mehr als 15 Tage gehabt. Bei den neuromuskulär Asymptomatischen betrugen die Zahlen 6,3%, 3,7% und 2,6%. Nach wie vor ist unklar, inwieweit die Virusinfektion, die systemische Entzündungsreaktion oder der Krankenhausaufenthalt für die neurologischen Manifestationen verantwortlich ist.

[1] Saif DS, Ibrahem RA, Eltabl MA. Prevalence of peripheral neuropathy and myopathy in patients post-COVID-19 infection. Int J Rheum Dis. 2022 Aug 1.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1756-185X.14409

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