Long-COVID: Über die Hälfte aller jungen Patientinnen und Patienten zeigte in Norwegen auch sechs Monate nach milder Erkrankung noch Symptome

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Eine norwegische Studie erhob Langzeitfolgen nach COVD-19. 189/312 Patientinnen und Patienten hatten sechs Monate nach der Erkrankung noch Symptome, was insofern erstaunlich war, da nur 65 Betroffene im Krankenhaus behandelt worden waren, die anderen also eher milde Verläufe aufwiesen. Besonders unerwartet war: Auch in der Patientengruppe der 16- bis 30-Jährigen lag die Rate derer, die an Long-COVID litt, bei fast 50 %. Trotz mehrheitlich milder Krankheitsverläufe entwickelten die jungen Patienten häufig stark beeinträchtigende Langzeitsymptome wie kognitive Störungen oder Atemnot. Das unterstreicht, wie wichtig die Impfung aller ist.

Langzeitfolgen sind häufig bei Patienten und Patientinnen, die wegen COVID-19 stationär aufgenommen wurden. Eine aktuelle norwegische Studie untersuchte nun die Häufigkeit von Langzeitfolgen bei Betroffenen mit milderen Verläufen und kam zu erstaunlichen Ergebnissen. Prospektiv wurden 312 an COVID-19 erkrankte Menschen untersucht (247 waren in häuslicher Isolation gewesen, 65 im Krankenhaus). Dies waren 82 % aller Erkrankungsfälle in Bergen während der ersten Welle der Pandemie.

Nach sechs Monaten wiesen 61 % (189/312) der Patientinnen und Patienten anhaltende Symptome auf, die mit der Schwere der COVID-19-Erkrankung, mit erhöhten Antikörper-Titern und vorbestehenden chronischen Lungenerkrankungen assoziiert waren.

Die Studie zeigte aber auch, dass 32 von 61 Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 16 und 30 Jahren ein halbes Jahr nach einer milden Erkrankung Symptome aufwiesen: 28% litten unter dem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, 21 % unter Fatigue, 13 % unter Dyspnoe, 13 % unter Konzentrationsstörungen und 11 % unter Gedächtnisstörungen. Wie die Autorinnen und Autoren ausführten, war besonders der hohe Anteil von Luftnot und kognitiven Symptomen bei den jungen Patientinnen und Patienten auffällig und unerwartet, zumal sie mit eher milden COVID-19-Verläufen in häuslicher Isolation waren und nicht stationär aufgenommen werden mussten. Die Häufigkeit der Langzeitfolgen macht deutlich, zu welchen auch neurologischen Gesundheitsschäden die Erkrankung führen kann, und unterstreicht die Wichtigkeit der Impfung.

[1] Blomberg B, Greve-Isdahl Mohn C, Brokstad KA et al. Long COVID in a prospective cohort of home-isolated patients. Nature Medicine 2021, June 23.

https://www.nature.com/articles/s41591-021-01433-3

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