Long-COVID: Niedrige Cortisol-Spiegel, T-Zell-Erschöpfung und EBV-Reaktivierung

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In einem in „Science“ publizierten Artikel werden mögliche dem Long-COVID-Syndrom zugrunde liegende Mechanismen diskutiert. Die Autorin bezieht sich auf eine Arbeit, in der u.a. niedrige Cortisol-Spiegel und T-Zell-Erschöpfung bei den Betroffenen nachgewiesen wurden. Sie zitiert den Studienautor David Putrino mit den Worten „Die Körper der Long-COVID-Patientinnen und -Patienten bekämpfen irgendetwas aktiv“. Was das „irgendetwas“ ist, bleibt offen; vermutet wird eine EBV-Reaktivierung. Eine solche Trias – niedrige Cortisol-Spiegel, T-Zell-Erschöpfung und EBV-Reaktivierung – wurde in ähnlicher Form bei ME/CFS beobachtet.

In einem Artikel in „Science“ werden die Ergebnisse einer aktuellen Studie [2] von US-Neuroimmunologinnen/-immunologen und Neurophysiologinnen/-physiologen diskutiert und eingeordnet. Das Forscherteam fand heraus, dass bei Menschen, die unter Long-COVID leiden, die Cortisol-Spiegel deutlich reduziert waren. Es ist bekannt, dass erniedrigte Cortisol-Spiegel mit Fatigue und Muskelschwäche einhergehen können.

Erniedrigte Cortisol-Spiegel könnten auf eine Nebenniereninsuffizienz hindeuten, in einem in „Nature Reviews Endocrinology“ publizierten Review [3] mutmaßten Forscherinnen und Forscher aus Dresden, dass SARS-CoV-2 die Nebennieren angreifen und so zur Insuffizienz dieses Organs führen könnte. Sie wiesen auch auf die klinische Ähnlichkeit beider Krankheitsbilder hin. Im Science-Artikel wird jedoch der Neurophysiologe David Putrino, Mitautor der aktuellen Studie [2], zitiert, der ausführt, dass eine Steroidgabe, die zum Cortisol-Anstieg führt, vielen Long-COVID-Betroffenen nicht geholfen habe.

Auffällig war in der aktuellen Studie [2] zudem eine erhöhte Anzahl erschöpfter T-Zellen im Serum der Betroffenen als mögliches Anzeichen einer anhaltenden Immunreaktion. Diese schien allerdings nicht gegen SARS-CoV-2 gerichtet zu sein, sondern gegen andere virale Pathogene, insbesondere gegen EBV.

[1] Couzin-Frankel J. Long Covid clues emerge from patients' blood. Science. 2022 Aug 19;377(6608):803.

https://www.science.org/content/article/blood-abnormalities-found-people-long-covid

[2] Klein J, Wood J, Jaycox J et al. Distinguishing features of Long COVID identified through immune profiling. medRxiv [Preprint]. 2022 Aug 10:2022.08.09.22278592.

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2022.08.09.22278592v1.full.pdf

[3] Kanczkowski W, Beuschlein F, Bornstein SR. Is there a role for the adrenal glands in long COVID? Nat Rev Endocrinol. 2022 Aug;18(8):451-452.

https://www.nature.com/articles/s41574-022-00700-8

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