Long-COVID nach Durchbruchsinfektion: Wie hoch ist das Risiko?

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Die vorliegende Analyse zeigt für Durchbruchsinfektionen mit der Alpha- bzw. Delta-Variante von SARS-CoV-2: Das Sterblichkeitsrisiko sowie das Risiko für Folgemanifestationen ist im Vergleich zu verschiedenen nicht-infizierten historischen Kontrollgruppen erhöht. Die Impfung schützte somit nicht vollständig vor längerfristigen Folgen bietet also keinen vollständigen Schutz, das Risiko war aber im Vergleich zu ungeimpften Menschen mit SARS-CoV-2-Infektion deutlich niedriger. Laut Ansicht der Autorinnen und Autoren sollten trotz Impfung Maßnahmen der Primärprävention aufrechterhalten werden.

Derzeit ist noch unklar, ob SARS-CoV-2-Durchbruchsinfektionen bei geimpften Menschen zu einer ähnlich hohen Anzahl von Folgekomplikationen führen kann wie bei Ungeimpften. Zumindest für die Zeit bis Oktober 2021, also der „Prä-Omikron-Ära“, gibt es dazu nun eine relativ umfangreiche Analyse aus den USA bei Kohorten von US-Veteranen. Eine Gruppe von 33.940 Patientinnen und Patienten mit Durchbruchsinfektion nach vollständiger Vakzinierung (14 Tage nach einer ersten Impfung mit Johnson&Johnson bzw. nach einer zweiten mRNA-Impfung ) wurde mit verschiedenen Kohorten ohne SARS-CoV-2-Infektion im Hinblick auf ihr Mortalitätsrisiko und ihr Risiko für Folgekomplikationen verglichen: (1) Mit einer zeitgleichen Kontrollgruppe ohne SARS-CoV-2-Infektion (n=4.983.491), (2) mit einer historischen, prä-pandemischen Kontrollgruppe (n=5.785.273) und (3) mit einer Kontrollgruppe geimpfter Personen (n=2.566.369) ohne SARS-CoV-2-Durchbruchsinfektion.

Im Vergleich zur ersten Kontrollgruppe hatten Personen mit Durchbruchsinfektionen, die die ersten 30 Tage der Erkrankung überlebt hatte, eine signifikante erhöhte Sterblichkeit nach sechs Monaten (HR: 1,75). Auch das Risiko, mindestens eine Folgekomplikation davonzutragen, war erhöht (HR: 1,5). Das Risiko für pulmonale Komplikationen war nahezu um den Faktor 2,5 erhöht, ebenso das Risiko für Koagulation und hämatologische Folgeerkrankungen. Das Fatigue-Risiko der „Durchbruchs-Patientinnen/-Patienten“ war verdoppelt und auch ihr Risiko für neurologische Folgeerkrankungen war erhöht (HR: 1,69). Die erhöhten Risiken für Sterblichkeit und Folgeerkrankungen zeigten sich auch im Vergleich mit der historischen Kontrollgruppe sowie der geimpften Kontrollgruppe ohne Durchbruchsinfektion.

Im Vergleich zu einer Gruppe von 113.474 Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion ohne vorherige Impfung hatten die Geimpften mit Durchbruchsinfektionen nach sechs Monaten jedoch ein niedrigeres Sterblichkeitsrisiko (HR: 0,66) und ein geringeres Risiko für Folgemanifestationen (HR: 0,85) – in allen untersuchten klinischen Bereichen bzw. Organsystemen.

Die Autorinnen und Autoren konstatieren, dass die Impfung gegen SARS-CoV-2 zwar die Risiken reduzieren, aber nicht ausräumen könne und somit weiterhin Wert auf die primäre Infektionsprävention (Mund-Nasen-Schutz, Hygiene, reduzierte Kontakte) gelegt werden müsse.
Anzumerken bleibt, dass diese Analyse aus der Zeit bis Oktober 2021 weder ohne weiteres auf die aktuelle Omikron-Situation noch auf das Risiko für Menschen mit Boosterimpfung übertragen werden kann.

[1] Al-Aly Z, Bowe B. & Xie Y. Long COVID after breakthrough SARS-CoV-2 infection. Nat Med 2022, 25. May.

https://www.nature.com/articles/s41591-022-01840-0#citeas

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