Long-COVID: Eine prospektive Kohortenstudie über 12 Monate

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Eine prospektive Kohortenstudie ergab, dass 12 Monate nach einer symptomatischen SARS-CoV-2-Infektion bei ca. 77 % der Patienten und Patientinnen noch mindestens ein COVID-assoziiertes Symptom vorhanden war. Dabei dominierten Probleme der physischen Belastbarkeit, aber auch neurokognitive Symptome waren nicht selten. Interessanterweise bestand dabei eine Assoziation mit dem Nachweis erhöhter antinukleärer Antikörper.

Von Long-COVID spricht man bei einer Symptompersistenz nach einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion. Eine Studie aus Heidelberg untersuchte prospektiv eine Kohorte von 96 COVID-19-Patientinnen und Patienten (55% Frauen) hinsichtlich des Langzeitverlaufs über 12 Monate und der möglichen Ätiologie. 32% der Betroffenen waren stationär behandelt worden. Analysiert wurden neben den Symptomen die Lebensqualität (SF-12-Survey) und Laborparameter einschließlich antinukleärer Antikörper (ANA) und SARS-CoV-2-Antikörper.

Im Ergebnis waren nach 12 Monaten nur knapp 23% der Patienten vollständig symptomfrei. Die häufigsten persistierenden Symptome waren eine verminderte körperliche Belastbarkeit (56,3%), Fatigue (53,1%), Dyspnoe (37,5%), Konzentrationsstörungen (39,6 %), Wortfindungsstörungen (32,3%) und Schlafstörungen (26%). Die SARS-CoV-2-Antikörper-Spiegel von Patientinnen und Patienten mit mindestens einem Long-COVID-Symptom unterschieden sich nicht signifikant von denen ohne Symptome. Long-COVID-Patientinnen/-Patienten hatten jedoch eine signifikant schlechtere physische und psychische Lebensqualität. Bei insgesamt 43,6% aller Betroffenen waren nach 12 Monaten erhöhte ANA-Titer (≥ 1:160) nachweisbar und diese Patientinnen und Patienten hatten auch signifikant häufiger neurokognitive Symptome als jene mit Titern <1:160. Frauen litten signifikant häufiger an neurokognitiven Symptomen als Männer.

Die Autorinnen und Autoren werten die signifikante Assoziation von neurokognitiven Symptomen und ANA als möglichen Hinweis auf eine autoimmune Genese. Dies könne zumindest als Kofaktor bei der Ätiologie von Long-COVID eine Rolle spielen.

Seeßle J, Waterboer T, Hippchen T et al. Persistent symptoms in adult patients one year after COVID-19: a prospective cohort study. Clin Infect Dis 2021 Jul 5; ciab611. doi: 10.1093/cid/ciab611.

https://academic.oup.com/cid/advance-article/doi/10.1093/cid/ciab611/6315216

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