Long-COVID bei Infektion durch Omikron-Variante offenbar seltener

© iStock/franckreporter

Zumindest Geimpfte scheinen bei Infektion mit dem Omikron-Subtyp von SARS-CoV-2 seltener Long-COVID zu bekommen als unter Delta. Das geht aus einer App-Datenauswertung aus dem Vereinigten Königreich hervor. Wegen der starken Ausbreitung von Omikron ist dennoch absolut mit höheren Zahlen zu rechnen. In Deutschland wertete ein Hamburger Team aus, wie sich Virusvarianten und Impfstatus im Pandemieverlauf auf die Todesursache auswirkten: Im Verlauf der Pandemie starben weniger Infizierte an der Infektion.

Um abzuschätzen, wie häufig Infektionen mit den SARS-CoV-2-Varianten Delta und Omikron über vier Wochen nach Beginn der akuten Erkrankung hinaus mit Symptomen assoziiert sind, haben britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten aus der im Vereinigten Königreich verwendeten „COVID Symptom Study App“ ausgewertet [1]. Sie erfasst selbstberichtete Daten der Nutzerinnen und Nutzer. Einschlusskriterien für die aktuelle Auswertung waren ein positiver SARS-CoV-2-PCR- oder -Antigen-Schnelltest – nach Impfung und ohne vorausgegangene Infektion.

Verglichen wurden Daten von 56.003 Erwachsenen im Zeitraum 20.12.2021 bis 9.3.2022, als im Vereinigten Königreich 70% der SARS-CoV-2-Infektionen durch Omikron verursacht waren, mit 41.361 Betroffenen in der von Delta dominierten Periode vom 1.6.2021 bis zum 27.11.2021. Hinsichtlich Alter (durchschnittlich 53 Jahre) und Komorbiditäten unterschieden sich die Kohorten nicht. 55% und 59% derer, die die App verwendeten, waren Frauen. Es erfolgte eine Stratifizierung, wie lange die letzte Impfung zurücklag: 3 Monate, 3-6 Monate oder ≥6 Monate. Insgesamt hatten in der Omikron-Periode 4,5% der Infizierten Long-COVID-Symptome und zu Zeiten von Delta 10,8%. Im Vergleich zu denen aus der Delta-Welle hatten die Infizierten aus der Omikron-Welle durchweg geringere Inzidenzen, auch über verschiedene Altersgruppen hinweg. In Relation zur Delta-Periode lagen die Wahrscheinlichkeiten für Long-COVID bei 26% bei einem Abstand zur letzten Impfung >6 Monate, 24% bei 3-6 Monaten und 50% bei weniger als 3 Monaten. Trotz des geringeren relativen Risikos rechnen die Autorinnen und Autoren angesichts der insgesamt höheren Infektionszahlen bei Omikron mit steigenden Long-COVID-Zahlen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gingen den Todesursachen von insgesamt 234 zwischen März 2020 und April 2022 gestorbenen Patientinnen und Patienten nach, die zum Todeszeitpunkt SARS-CoV-2-positiv waren und bei denen eine Virustypisierung veranlasst worden war [2]. Berücksichtigt wurden klinischer Verlauf, mikrobiologische Befunde sowie Obduktionsergebnisse. Die Obduktionsrate lag bei 26,4%. 117 Verstorbenen waren mit dem Wildtyp infiziert, 33 mit der Alpha-, 38 mit der Delta- und 39 mit der Omikron-Variante. Bei sieben war die Typisierung technisch nicht möglich. Es stellte sich heraus, dass im Verlauf der Pandemie immer weniger Infizierte an der Infektion starben. Waren es beim Wildtyp noch 85% und unter Alpha sogar 94%, waren es bei Delta 82% und bei Omikron nur noch 46%. Während Geimpfte ohne Risikofaktoren bei Delta immerhin noch 8% der Verstorbenen ausmachten, war diese Gruppe unter den Todesfällen bei Omikron nicht vertreten.

[1] Antonelli M, Pujol JC, Spector TD et al. Risk of long COVID associated with delta versus omicron variants of SARS-CoV-2. Lancet. 2022 Jun 18;399(10343):2263-2264

https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(22)00941-2/fulltext

[2] Paparoupa M, Schröder AS, Braunsteiner J et al. The effects of SARS-CoV-2 virus type and of vaccination status on causes of death over the course of the COVID-19 pandemic. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0255

https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article/226041

Nach oben springen