Löslicher Urokinase-Plasminogen-Aktivator-Rezeptor als Biomarker zur Risikoabschätzung von COVID-19-assoziierten Thromboembolien

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Bestimmt man zusätzlich zu D-Dimeren die Spiegel des löslichen Urokinase-Plasminogen-Aktivator-Rezeptors (suPAR) im Blut, kann man womöglich künftig besser abschätzen, wie sehr an COVID-19 Erkrankte Gefahr laufen, eine venöse Thromboembolie (VTE) zu erleiden. Das legt die Studie ISIC („International Study of Inflammation in COVID-19“) mit fast 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nahe [1]. SuPAR-Spiegel waren dabei, unabhängig von D-Dimeren, signifikant mit dem VTE-Risiko assoziiert.

VTE kommen schätzungsweise bei 26% der wegen COVID-19 hospitalisierten Menschen vor und trotz häufiger prophylaktischer und therapeutischer Antikoagulation bleiben Lungenembolien bei nahezu einem Drittel der Betroffenen die direkte Todesursache. D-Dimere, die am häufigsten als Biomarker für VTE herangezogen werden, haben sich bei COVID-19 als weniger zuverlässig erwiesen. Vermutlich liegt das am komplexen Zusammenspiel von Gefäßentzündung, Immunität und Koagulopathie, in dem das Urokinase-Plasminogen-Aktivator-/Urokinase-Plasminogen-Aktivator-Rezeptor (uPA/uPAR)-System eine Schlüsselrolle spielt. SuPAR entstehen dabei als Spaltprodukt und spiegeln die Aktivität dieses Systems wider.

Eine internationale Forschungsgruppe hat nun die Assoziation des Langzeit-Entzündungs-Biomarkers zu VTE in einer Beobachtungsstudie bei 1.960 wegen COVID-19 hospitalisierten Menschen untersucht. Sie waren im Mittel 58 Jahre alt, 57% waren Männer und 20% schwarzer Ethnie. VTE – Lungenembolien oder tiefe Venenthrombosen – traten bei 8% auf und waren mit erhöhten suPAR- und D-Dimer-Spiegeln assoziiert, zwischen denen wiederum eine signifikante positive Assoziation festgestellt werden konnte. Nach Adjustierung für andere klinische Variablen, einschließlich der D-Dimere, und auch unter Berücksichtigung des Sterberisikos war das VTE-Risiko in der dritten im Vergleich zu ersten suPAR-Terzile um 168% höher. Die von D-Dimeren unabhängige Assoziation deutet darauf hin, dass suPAR und das uPA/uPAR-System im Gegensatz zu D-Dimeren die übergeordnete immunthrombotische Aktivität anzeigen. Womöglich erklärt dies auch das hohe VTE-Risiko bei COVID-19. Ein suPAR-Cut-off von 4,12 ng/ml erlaubte in der Studie, VTE-Risikopatienten mit einer Sensivität von 95% und einem negativen prädiktiven Wert von 0,98 zu identifizieren.

Schon im Vorfeld war bekannt, dass suPAR bei COVID-19 bis fünffach erhöht sein kann, und zwar oft schon vor anderen Biomarkern, wie z.B. D-Dimeren. Hohe suPAR-Spiegel deuteten dabei auf auch schwere Komplikationen wie akutes Nierenversagen und beatmungspflichtiges Atemversagen hin. Die Behandlung von COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit dem Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten Anakinra orientiert sich bereits an den suPAR-Spiegeln.

[1] Luo S, Vasbinder A, Du-Fay-de-Lavallaz JM et al. Soluble Urokinase Plasminogen Activator Receptor and Venous Thromboembolism in COVID-19. J Am Heart Assoc. 2022 Aug 4:e025198

https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/JAHA.122.025198

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