Kurz- und langfristige COVID-19-Folgen – ein systematisches Review

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Ein aktuelles Review [1] evaluierte erstmals mittels einer systematischen Literaturrecherche kurz- und langfristige postakute Folgen von COVID-19 („postacute sequelae of COVID-19“/PASC). Im Ergebnis ergab das Review, dass sechs Monate nach der Akuterkrankung mehr als die Hälfte von über einer Viertelmillion COVID-19-Überlebenden an PASC litten. Am häufigsten waren eine verminderte Leistungsfähigkeit, pulmonale und neuropsychiatrische Symptome. Nach Ansicht des Autorenteams könnte die hohe Zahl an COVID-19-Folgeerkrankungen künftig in vielen Ländern die Kapazität der Gesundheitssysteme stark belasten.

Ziel der Studie war, die Inzidenz kurz- und langfristiger postakuter COVID-19-Folgen (PASC) abzuschätzen. Mittels Literaturrecherche wurden 2.100 Publikationen identifiziert, als Checkliste systematischer Literaturreviews wurden die PRISMA-Leitlinien („Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Metaanalyses“) angewendet. Die Studienqualität (bzw. das Bias-Risiko) wurde mittels der Newcastle-Ottawa-Skala für Kohortenstudien bewertet. Entsprechend den Einschlusskriterien wurden 57 Studien mit 250.351 COVID-19-Überlebenden ausgewählt (mittleres Alter 54,4 Jahre, 56% männlich, 79% hospitalisiert, 79% aus den Industrienationen („high income countries“)). Das primäre Outcome war die PASC-Häufigkeit, diagnostiziert durch Laboruntersuchungen, Bildgebung und klinische Befunde. Die PASC wurden organbezogen klassifiziert.

Im Ergebnis wiesen 54% der COVID-19-Überlebenden nach einem Monat mindestens eine PASC auf; nach zwei bis fünf Monaten waren es 55% und nach sechs Monaten oder länger noch immer 54%. Am häufigsten waren pulmonale Symptome bzw. Auffälligkeiten in der pulmonalen Bildgebung (62%), gefolgt von allgemeinen funktionellen Einschränkungen und verminderter Leistungsfähigkeit (44%), generalisierter Angststörung (29,6%), Konzentrationsstörungen (23,8%) und Fatigue und/oder Muskelschwäche (37,5%). Ebenfalls häufig waren kardiale, dermatologische, intestinale und HNO-Symptome.

Die Autorinnen und Autoren werten PASC als Multisystemerkrankung mit einer hohen Kurz- sowie Langzeit-Prävalenz. In Zukunft seien große Patientenzahlen zu erwarten und in den Versorgungsbedarf einzurechnen. Sie befürchten, dass die langfristigen PASC-Auswirkungen ein Ausmaß erreichen könnten, das Gesundheitssysteme an die Kapazitätsgrenzen bringt, insbesondere in Gegenden mit begrenzten Ressourcen und in weniger einkommensstarken Ländern.

Groff D, Sun A, Ssentongo AE et al. Short-term and Long-term Rates of Postacute Sequelae of SARS-CoV-2 Infection: A Systematic Review. JAMA Netw Open 2021 Oct 1; 4 (10): e2128568

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2784918

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