Keine Korrelation zwischen Antikörpern gegen SARS-CoV-2 und Plättchenfaktor 4-Antikörpern bei VITT

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Die Vakzine-induzierte immunogene thrombotische Thrombozytopenie (VITT) nach Impfung mit Vektor-basierten SARS-CoV-2-Vakzinen ähnelt klinisch und serologisch der Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT). Bei der VITT führen Antikörper gegen Plättchenfaktor 4 (PF4) zu Plättchenaktivierung und Aggregation. Als möglicher Mechanismus der PF4-Antikörperbildung wird Kreuzreaktivität mit Antikörpern gegen SARS-CoV-2 diskutiert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Tübingen untersuchten den Zusammenhang zwischen der Bildung von Antikörpern gegen PF4 und SARS-CoV-2-Antikörpern und fanden keine Korrelation [1].

Die VITT ist eine seltene Komplikation bei COVID-19-Impfungen mit vektorbasierten Impfstoffen, die tödlich verlaufen kann. Die bei diesem Krankheitsbild nachweisbaren Antikörper gegen Plättchenfaktor 4 (PF4) führen zu Plättchenaktivierung und Aggregation. Warum die Antikörper gebildet werden, ist noch nicht ganz verstanden. Als ein möglicher Mechanismus wird Kreuzreaktivität mit Antikörpern gegen SARS-CoV-2 diskutiert. Eine Arbeitsgruppe aus der Transfusionsmedizin der Universität Tübingen hat jetzt untersucht [1], ob die anti-PF4-Antikörperspiegel womöglich mit verschiedenen anti-SARS-CoV-2-Antikörpern korrelieren. Das war nicht der Fall.

Die Forscherinnen und Forscher analysierten Blutproben von 101 Mitarbeitern des Gesundheitswesens zwei Wochen nach der ersten Dosis ChAdOx1 nCoV-19 (Oxford–AstraZeneca) und von 59 Patientinnen und Patienten, bei denen 11-22 Tage nach der ersten Dosis klinisch eine VITT vermutet wurde. Bestimmt wurden anti-PF4-Antikörper sowie Antikörper gegen das Nucleocapsid und mehrere Antigenstrukturen am Spike-Protein: das Spike-Trimer, die Rezeptor-bindende Domäne (RBD), die Untereinheit 1 (S1) -Domäne und die Untereinheit 2 (S2) -Domäne. Ob die Sera Blutplättchen aktivieren konnten, wurde mit einem modifizierten Heparin-induzierten Plättchen-Aggregations-Test geprüft.

Aufgrund des Nachweises von anti-PF4 mit positivem Plättchen-Aggregations-Test wurde die VITT bei 20 (34%) der 59 Patientinnen und Patienten mit der Verdachtsdiagnose bestätigt. Bei diesen waren die anti-PF4-Spiegel höher als bei den gesunden Kontrollen oder bei jenen, bei denen sich die VITT nicht bestätigte. Betroffene ohne bestätigten VITT-Verdacht hatten niedrigere Antikörperspiegel gegen die S2-Domäne als Personen in den beiden anderen Gruppen, während die Spiegel der übrigen anti-SARS-CoV-2-Antikörper sich zwischen allen drei Gruppen nicht wesentlich unterschieden.

Dass möglicherweise eine Kreuzreaktivität zwischen einer nicht untersuchten Subgruppe von anti-SARS-CoV-2-Antikörpern und den anti-PF4-Antikörpern bestehen könnte, lässt sich nach Einschätzung des Autorenteams nicht ausschließen. Sie verwiesen allerdings auf eine Preprint-Studie [2], die zunächst ein gemeinsames immunogenes Epitop zwischen dem Spike-Protein und PF4 nahelegte, bei der dann aber gereinigte anti-PF4- und anti-PF4-Heparin-Antikörper von VITT-Patienten keine Kreuzreaktion mit rekombinantem SARS-CoV-2-Spike-Protein aufwiesen.

[1] Uzun G, Althaus K, Bakchoul T: No Correlation between Anti-PF4 and Anti-SARS-CoV-2 Antibodies after ChAdOx1 nCoV-19 Vaccination. N Engl J Med. 2021 Aug 25

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2111305

[2] Greinacher A, Selleng K, Mayerle J et al. Anti-SARS-CoV-2 spike protein and anti-platelet factor 4 antibody responses in- duced by COVID-19 disease and ChAdOx1 nCov-19 vaccination. April 9, 2021.. Preprint.

https://www.researchsquare.com/article/rs-404769/v1

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